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Ich freue mich, wenn ich Betroffenen die Angst vor dem glutenfreien backen nehmen kann

Ein Interview mit Trudel, die vor etwa 20 Jahren erfahren hat, dass sie an Zöliakie erkrankt ist.

   

1 - Hallo Trudel! Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen (Alter, Wohnort, Familienstand, Beruf…)?
Ich bin Trudel Marquardt, 71 Jahre alt und verheiratet. Ich wohne in Horb am Neckar und habe drei erwachsene Kinder. Ich bin Rentnerin.

2 - Vor etwa 20 Jahren wurde bei Ihnen die Diagnose Zöliakie gestellt. Wie kam es dazu? Wie sahen Ihre Beschwerden aus, welche Untersuchungen wurden vorgenommen etc.? Vermuteten die Ärzte bei Ihnen von Anfang an diese Krankheit?
Nach einer Odyssee durch viele verschiedene Arztpraxen erfolgte im November endlich die Diagnose Sprue (Zöliakie). Ich hatte seit Kindheit Probleme mit dem Bauch und war extrem infektanfällig. Als ich 18 war, wurde mir der Blinddarm entfernt, damit der Bauch Ruhe gibt, gab er aber nicht. Die Schilddrüse wurde untersucht, da Durchfälle und Schilddrüse ja auch zusammenpassen. Meine Mutter hatte Morbus Basedow.

Ich habe das Glück, Mutter von drei Kindern zu sein, wobei die letzte Schwangerschaft sehr problematisch war. Nach jeder Schwangerschaft hatte ich Magenschleimentzündungen und war schlanker als vorher. 1993 kam die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis dazu. Ab dem Sommer 1995 hatte ich nur noch starke Durchfälle und nahm in drei Monaten 17 kg ab. Meine Ärztin wollte mich in eine psychosomatische Kur schicken, damit mein Darm besser würde. Ich hatte inzwischen auch Knochenprobleme. Auf eigenen Wunsch bin ich dann nach Bad Füssing in eine Kureinrichtung gegangen und hatte dort eine gute Ernährungsberaterin, die mich auf die Spur von Lebensmittelunverträglichkeiten gebracht hat. Ich wog damals noch 50 kg bei einer Größe von 1,72 m. Nach der Kur kam ich ins Krankenhaus und dort wurde dann endlich die Diagnose Sprue (Zöliakie) gestellt.

3 - Was haben Sie seit dieser Diagnose an Ihrem Leben verändert? Worauf achten Sie besonders? Empfinden Sie Ihre Erkrankung als große Einschränkung?
Die Diagnose hat mein Leben komplett verändert. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich mir das Wissen über Zöliakie zu einem großen Teil selbst aneignen muss. Die DZG war die einzige Unterstützung in dieser schweren Anfangszeit. Vor über 20 Jahren gab es sehr wenig glutenfreie Produkte und alles hat nicht gut geschmeckt. Da ich sehr gerne koche und backe, fing ich an, meine Rezepte abzuwandeln, und habe meine sowie die Ernährung der Familie auf glutenfrei umgestellt.

4 - Was hat Sie auf die Idee einer eigenen Webseite gebracht? Welche Ziele verfolgen Sie damit, was motiviert Sie, an wen richtet sich diese Seite…?
Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt und weitgehend mit mir glutenfrei gegessen. Meine Söhne ermunterten mich, meine Rezepte aufzuschreiben und ein Kochbuch zu erstellen. Zu einem meiner Geburtstage schenkten sie mir die Website www.glutenfrei-kochen.de , die inzwischen fast 1 000 Rezepte beinhaltet. Die Website richtet sich an alle Zöliakiebetroffenen sowie an glutenintolerante Personen. Ich koche und backe leidenschaftlich gerne und probiere immer wieder neue Rezepte aus. Mir ist sehr wichtig, dass ich gesund und ohne Fertigpäckchen koche.

5 - Kann man Ihre Rezepte auch als Buch beziehen?
Es gibt im Moment nur ein E-Book, das über www.glutenfrei-kochen.de erworben werden kann. Das GU-Buch „gesund leben – glutenfrei genießen“ ist nach zehn Jahren leider aus dem Handel genommen worden. Es wird nur noch als E-Book bei Amazon vertrieben.

6 - Zu Ihrer Webseite gehört auch ein Blog. Um welche Themen geht es dort?
Auf meinem Blog erkläre ich viele meiner Rezepte anhand von Fotos Schritt für Schritt.

7 - Sie waren auch über 15 Jahre lang Kontaktperson für Zöliakiebetroffene. Worum ging es bei dieser Tätigkeit?
Ca. 15 Jahre war ich Kontaktperson für die DZG und zwar für den Kreis Horb/Freudenstadt. Nach Schulungen bei der DZG konnte ich die Gruppe auf ihrem Weg begleiten, Fragen beantworten, mit Betroffenen backen und kochen. Besonders wichtig war es mir, die Neubetroffenen zu beraten und ihnen Tipps für ihr glutenfreies Leben zu geben.

8 - Was für Tipps sind das z. B.?
Ich erkläre ihnen, wie sie den Haushalt auf glutenfrei umstellen können, auf was sie beim Einkauf achten müssen, welche Glutenfallen es gibt und wie wichtig die Kennzeichnungsverordnung ist.

9 - Gibt es noch andere Dinge, die Sie uns mitteilen möchten?
Seit Anfang 2014 podcaste ich mit meinem Sohn Chris zusammen. Wöchentlich gibt es eine neue Folge. Er hat mich ermuntert, meine Erfahrungen mit der Diagnose Zöliakie und dem Leben damit weiterzugeben. Der Podcast ist unter dieser Adresse zu hören:

http://www.glutenfrei-kochen.de/podcast/show

Es gibt über 70 Folgen zu wichtigen Themen.

Ich gebe auch weiterhin Backkurse für die DZG-Gruppen und freue mich, dass ich den Betroffenen die Angst vor dem glutenfreien Backen nehmen kann.

Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin alles Gute!

Sie würden gerne mit Trudel über Zöliakie oder Lebensmittelunverträglichkeiten diskutieren und sich mit weiteren Betroffenen austauschen? Dann registrieren Sie sich auf Carenity und entdecken Sie dort auch ein Diskussionsthema zu diesem Interview.

Kommentare

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am 08.09.16

Solltet ihr irgendwelche Fragen an Trudel haben, könnt ihr sie hier übrigens gerne stellen.

am 09.09.16

Habt ihr noch andere Fragen an Trudel?

am 08.09.16

Hallihallo!

Was ist denn eigentlich Zöliakie Trudel ? Höre ich zum ersten Mal. Wie bekommt man so was? Ist das angeboren?

Gruß vom

Jonas

am 08.09.16

Hier kannst du die genaue Beschreibung der Zöliakie nachlesen: http://www.dzg-online.de/das-krankheitsbild.364.0.html