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Welt-Hypertonie-Tag: Behandlungen und Regeln für Gesundheit und Ernährung.

Veröffentlicht am 17.05.2021 • Von Aurélien De Biagi

Am 17. Mai, anlässlich des Welt-Hypertonie-Tages 2021, schlagen wir Ihnen einen kurzen Artikel zu dieser Erkrankung vor. Diese Krankheit ist der häufigste kardiovaskuläre Risikofaktor in Deutschland und der häufigste Grund für einen Arztbesuch in der Welt. 2020 gab es in Deutschland etwa 20-30 Millionen Menschen mit Bluthochdruck und diese Zahl nimmt stetig zu.

Möchten Sie mehr über die häufigste chronische Erkrankung der Welt erfahren? Wollen Sie die Behandlung und die angemessenen Regeln für Gesundheit und Ernährung kennen?

Lesen Sie unseren Artikel dazu!


Welt-Hypertonie-Tag: Behandlungen und Regeln für Gesundheit und Ernährung.

Bluthochdruck: Definition

Nach dem Zusammenziehen des Herzens pumpt dieses Blut durch die Arterien, um Sauerstoff und Nährstoffe an das Gewebe zu liefern. Dabei übt das Blut Druck auf die Gefäßwände aus. Letzteres wird gemessen, um Ihren Blutdruck zu messen. Bluthochdruck wird somit als Überdruck des Blutes an den Gefäßwänden bestimmt. Daraus resultiert, dass das Herz härter arbeitet und erschöpft ist, was zu einer Herzinsuffizienz führen kann. Darüber hinaus ist Bluthochdruck ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Infarkt, Schlaganfall, …) sowie für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. In den meisten Fällen bleibt die Ätiologie (Ursache) unbekannt und man spricht dann von essenzieller Hypertonie.

Er wird durch zwei Werte gemessen: den systolischen oder maximalen Druck (die erste Zahl), der dem Druck während der Kontraktion des Herzens entspricht, sowie den diastolischen oder minimalen Druck (wenn sich das Herz ausdehnt). Ein normaler Blutdruck liegt zwischen 120/80 und 139/89, der optimale Blutdruck befindet sich zwischen 120-129/80-84. Oberhalb dieser Werte wird der Patient als hypertensiv eingestuft.

In den meisten Fällen wird er bei einer ärztlichen Routineuntersuchung oder bei einer Untersuchung für eine andere Erkrankung entdeckt. In der Tat ist Bluthochdruck eine heimtückische und oft stille Krankheit (wenige oder gar keine Symptome bei bestimmten Patienten).

Regeln für Gesundheit und Ernährung

Auf seine Gesundheit und Ernährung achtzugeben sind bei der Behandlung von Bluthochdruck unerlässlich.

Zunächst einmal fördern Übergewicht und Fettleibigkeit Bluthochdruck. Zwei Indikatoren ermöglichen die Beurteilung dieser Faktoren: Der Body-Mass-Index (BMI) und der Taillenumfang. Wenn der BMI über 25 liegt, spricht man von Übergewicht, ist er höher als 30, spricht man von Fettleibigkeit.

Der Taillenumfang hingegen ermöglicht es, das überschüssige Fett um den Bauch herum zu messen. So gilt ein Taillenumfang von mehr als 94 cm bei einem Mann sowie 80 cm bei einer Frau als zu groß.

Um Körperfett effektiv zu reduzieren, wird empfohlen, die Ernährung und den Lebensstil umzustellen (oder nachhaltige Veränderungen einzuführen). In der Tat wird Fett gebildet, wenn unsere Nährstoffaufnahme durch Ernährung unseren Bedarf übersteigt, wobei der Überschuss als Fett gespeichert wird. Darüber hinaus greift unser Körper auf seine Reserven (Fett) zurück, wenn unsere Aufnahme in Bezug auf den Bedarf nicht ausreicht. Um Gewicht zu verlieren, ist es somit notwendig, seinen Energiebedarf durch körperliche Aktivität zu erhöhen und gleichzeitig die Aufnahme an Nährstoffen zu verringern. Körperliche Aktivität wird auch bei Bluthochdruck empfohlen. Es ist zwar richtig, dass Sport den Blutdruck erhöht, aber nur für die Zeit der Belastung (bzw. in den darauffolgenden Minuten) und kann danach niedriger gehalten werden. Eine sportliche Betätigung kann daher auch bei Personen mit hohem Blutdruck erfolgen und für sie von Vorteil sein. Empfohlen werden 30 Minuten Laufen am Tag (oder Ähnliches).

Zudem wird eine alkohol- sowie salzarme Ernährung empfohlen. Salz führt zu Wassereinlagerungen und damit zu einer Erhöhung des Blutvolumens (Gesamtmenge an Blut im Organismus), was den Druck auf die Gefäßwände und damit den Blutdruck erhöht. Empfehlungen zufolge sind 5 bis 6 g Salz pro Tag ausreichend (ungefähr ein Löffel).

Darüber hinaus wird eine mediterrane oder kretische Ernährungsweise empfohlen. Sie basiert auf einer Fülle an frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl, Fisch und wenig Fleisch (Geflügel und wenig rotes Fleisch). Hinzu kommen mäßiger Konsum von Rotwein, Milchprodukten und Eiern sowie regelmäßige körperliche Aktivität.

Schließlich sollte der Konsum von Tabak, Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Schlaganfall, Myokardinfarkt, Aneurysma, …), bei Bluthochdruck aufgegeben werden. Sie können Ihren Arzt befragen, um Hilfe zu bekommen, es gibt viele Nikotinersatzprodukte: auf Nikotinbasis wie Nicorette oder nikotinfrei wie Vareniclin.

Medikamente bei Bluthochdruck

Zuallererst müssen Medikamente gegen Bluthochdruck jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden. Wenn die Einnahme vergessen wurde, sollte nicht bis zum nächsten Tag gewartet, sondern das Medikament so schnell wie möglich eingenommen werden, auch wenn dies bedeutet, die folgende Einnahme zu verschieben. Außerdem sollte eine vergessene Einnahme nicht am nächsten Tag durch eine doppelte Dosis ersetzt werden.

Bei der Behandlung von Bluthochdruck werden mehrere Medikamentenklassen eingesetzt. Die meistverwendeten sind Betablocker, Diuretika, Calciumkanalblocker, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Antagonisten (ARBs oder Sartane). Jede dieser Klassen wirkt durch unterschiedliche Mechanismen, aber das Ziel ist immer, den Blutdruck zu senken. Sie können auf die Herzleistung, das Blutvolumen oder die Verringerung des Widerstands einwirken. Ihre Auswirkungen zeigen sich jedoch nicht unmittelbar. Es gibt eine Verzögerung von etwa zwei bis drei Wochen, bis der Blutdruck reguliert ist.

Betablocker

Diese Medikamentenklasse senkt den Blutdruck durch ihre bradykarde Wirkung (Abnahme der Herzfrequenz) und die Abnahme der Myokardkontraktilität (Abnahme der Kontraktionskraft des Herzens).

Aufgrund ihrer kardioprotektiven Wirkung werden diese Medikamente ebenfalls Menschen verordnet, die einen Herzinfarkt, eine Angina Pectoris oder eine hohe Ruheherzfrequenz hatten bzw. haben.

Einige Beispiele hierfür sind: Bisoprolol, Atenolol, Metoprolol, Acebutolol, Nebivolol, etc.

Man unterscheidet zwei Arten an Betablockern: kardioselektive und nicht-selektive. Erstere wirken nur auf Beta-Rezeptoren, die sich am Herzen befinden, wohingegen letztere auf alle Beta-Rezeptoren einwirken. Letztere können daher nicht in Kombination mit bestimmten Behandlungsarten für Asthma (z.B. Beta-Stimulanzien wie Salbutamol) eingenommen werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen dieser Behandlungsart sind: Müdigkeit, Verdauungsstörungen (Übelkeit, etc.), Schwindel, Erektionsstörungen, kalte Füße und Hände, Schlafstörungen sowie eine Verlangsamung des Herzschlags.

Diuretika

Diuretika senken den Blutdruck, indem sie die Menge an Wasser und Salz, die durch die Nieren ausgeschieden werden, erhöhen und so das Blutvolumen wie auch den Druck, der auf die Gefäßwände ausgeübt wird, senken. Es handelt sich um eine bekannte und gut beurteilte Medikamentenklasse.

Es gibt drei Klassen an Diuretika: Schleifendiuretika, Thiazide und kaliumsparende Diuretika. Diese drei Familien wirken auf verschiedenen Ebenen der Niere. Sie erhöhen aber immer die Ausscheidung von Salz und Wasser.

Unter diesen Diuretika finden sich zum Beispiel:

  • Unter den Schleifendiuretika: Furosemid
  • Unter den Thiaziden: Hydrochlorothiazid (oft in Verbindung mit einem anderen Antihypertensivum), Indapamid
  • Unter den kaliumsparenden Medikamenten: Spironolacton

Bei nicht-kaliumsparenden Diuretika (Thiazide und Schleifendiuretika) ist Vorsicht geboten, da sie eine Hypokaliämie (Verminderung der Kaliumkonzentration im Blut) verursachen können, was zu schwerwiegenden Folgen führen kann.

Calciumkanalblocker

Diese Medikamente hemmen den Eintritt von Calcium in die Gefäßmuskelzellen. Calcium ist für die Muskelkontraktion unerlässlich. Sie ermöglichen daher eine Vasodilatation der Arterien, was zu einer Verringerung des Widerstands (Reibung zwischen Blut und Wand) und damit zu einer blutdrucksenkenden Wirkung führt.

Darüber hinaus sind Diuretika auch zur Vorbeugung von Angina Pectoris-Anfällen (Brustenge) indiziert.

Dazu gehören unter Anderem: Amlodipin, Lercanidipin, Verapamil, etc.

Angiotensin-Umwandlungsenzym-Hemmer (ACE)

Diese therapeutische Klasse verhindert die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II (ein blutdrucksteigerndes Hormon, das von der Niere hergestellt wird). Diese Medikamente ermöglichen es, die vasokonstriktive Wirkung von Angiotensin II zu hemmen. Darüber hinaus hemmen sie auch den Abbau eines anderen Moleküls, was zu Reizhusten führen kann: die häufigste Nebenwirkung von ACE-Hemmern. Sie sind auch bei schwangeren Frauen kontraindiziert. Da sie die feto-plazentare Barriere überwinden, können sie beim Ungeborenen Läsionen verursachen.

In dieser Klasse finden sich Moleküle wie: Captopril, Perindopril, Ramipril, Enalapril, …

Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB II)

Diese letzte Klasse schließlich verhindert die Bindung von Angiotensin II an seinen AT1-Rezeptor und senkt so die Kontraktilität der Blutgefäße und somit auch den Blutdruck.

Der Vorteil bei ihnen ist, dass es nur wenige Nebenwirkungen gibt. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist jedoch eine verstärkte Überwachung erforderlich. Darüber hinaus ist ihre Langzeitwirkung weniger gut bekannt als die der anderen und älteren Klassen. Allerdings sind sie, wie auch ACE-Hemmer, bei schwangeren Frauen kontraindiziert.

Einige Beispiele für Medikamente, die zur Familie der Sartane gehören, sind: Candesartan, Irbesartan, Telmisartan, Valsartan, …

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avatar Aurélien De Biagi

Autor: Aurélien De Biagi, Gesundheitsredakteur, Pharmaziestudent

Aurélien studiert im 5. Jahr Pharmazie an der Universität von Lothringen. Er schreibt Gesundheitsartikel für Carenity. Sein besonderes Interesse gilt den Bereichen Neuropsychiatrie und Herz-Kreislauf.

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