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Auf dem Weg zu einem großen Durchbruch im Kampf gegen HIV?

Veröffentlicht am 01.12.2020 • Von Candice Salomé

Ungefähr 3.000 Menschen erfahren jedes Jahr in Deutschland, dass sie seropositiv sind. Zum aktuellen Zeitpunkt kann diese Krankheit durch keine Behandlung geheilt werden, aber dank einigen Behandlungsmöglichkeiten können seropositive Menschen erheblich länger leben.

Dennoch wurde gerade ein weiterer Meilenstein im Kampf gegen HIV erreicht. Es ist dem französischen Startup-Unternehmen Diaccurate, das auf Biotechnologie spezialisiert ist, gelungen, das Enzym zu identifizieren, das den Ursprung in der Lähmung des Immunsystems von HIV-Patienten darstellt.

Aber wie genau funktioniert HIV? Und wie kann diese Entdeckung die Forschung vorantreiben?

Wir sagen Ihnen alles darüber in unserem Artikel!

Auf dem Weg zu einem großen Durchbruch im Kampf gegen HIV?

Was ist HIV?

Weltweit leben heute 36,9 Millionen Menschen mit HIV, von denen 23,3 Millionen in Behandlung sind. Jedes Jahr sind 1,7 Millionen von dem Humanen Immunodefizienz-Virus (HIV) neu betroffen. In Deutschland leben ungefähr 90.000 Menschen mit dem Virus und 2.000-3.000 weitere Personen erhalten jedes Jahr die Diagnose.

AIDS (Aquired Immune Deficiency Syndrome) ist eine durch das HIV-Virus verursachte Krankheit, die Fehlfunktionen des Immunsystems zur Folge hat.

Die Besonderheit von HIV besteht darin, dass es die Lymphozyten angreift, insbesondere CD4+ (die weißen Blutkörperchen, deren Rolle die körpereigene Immunabwehr gegen infektiöse Angriffe ist).

Das Virus hat zur Folge, dass die CD4+ Lymphozyten verschwinden, die für die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems erforderlich sind. Daraus resultiert eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und bestimmte Krebsarten. Die Schwere der Erkrankung lässt sich vor allem anhand der Anzahl der noch verbleibenden CD4-Zellen beurteilen.

Die mit HIV infizierten Patienten können heute effektiv mit antiviralen Medikamenten behandelt werden, jedoch nur, wenn sie diese ein Leben lang einnehmen, da ihr Immunsystem nicht in der Lage ist, dieses Virus loszuwerden, das sich wieder vermehrt, falls die Behandlung unterbrochen wird.

Es gibt zwei Arten von HIV: HIV-1 und HIV-2, die molekulare Unterschiede aufweisen. In Deutschland gehen mehr als 99% der Neuinfektionen pro Jahr auf den Typ HIV-1 zurück. HIV-2 ist weniger virulent, schwerer übertragbar und vorherrschend in Westafrika verbreitet.

Das am weitesten fortgeschrittene Stadium von HIV ist AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Wenn keine Behandlung erfolgt, tritt AIDS durchschnittlich 10 Jahre nach der Infizierung auf (der genaue Zeitrahmen ist von Person zu Person unterschiedlich).

Was hat das Biotechnologie-Startup Diaccurate entdeckt?

Die Lymphozyten CD4+ spielen eine wesentliche Rolle bei der schweren Immunschwäche, die die HIV-Infektion auszeichnet, und dies geschieht anhand zweier Mechanismen:

  • Eine Funktionsstörung der Lymphozyten
  • Die Verringerung der Anzahl dieser Lymphozyten

Auch wenn die Rolle der CD4+-Lymphozyten bekannt war, blieb eine Frage bis dato unbeantwortet: Warum sind weniger als 0,5% der CD4+-Lymphozyten mit dem Virus infiziert, bei HIV-Patienten aber alle dysfunktional?

Das französische Startup Diaccurate und seine sechs Partner haben im renommierten Journal of Clinical Investigations die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die endlich den Schleier über den komplexen Wirkmechanismus von HIV auf das Immunsystem der Patienten lüftet.

Die Entdeckung des Unternehmens Diaccurate, das aus dem Institut Pasteur hervorging, ist revolutionär. Sie hat das Enzym identifiziert, das die Zerstörung der weißen Blutkörperchen verursacht, ein Protein, das auf natürliche Weise vom Menschen produziert wird. Doch wenn es mit HIV infiziert ist, ist dieses Enzym dasjenige, das die Membran der weißen Blutkörperchen schwächt.

Es handelt sich hierbei um ein Enzym (Enzym PLA2G1B), das auf natürliche Weise von der Bauchspeicheldrüse in das Verdauungssystem abgesondert wird.Unsere Entdeckung zeigt, wie das Virus mit einem Enzym des Patienten zusammenarbeitet, um eine Lymphozytenfunktionsstörung zu induzieren und es HIV ermöglicht, die Immunantwort des Patienten zu neutralisieren“, erklärt Prof. Jacques Thèze, Mitbegründer von Diaccurate.

Bei mit HIV infizierten Patienten schwächt ein Fragment des Virus die CD4+-Lymphozyten, die daraufhin vom Enzym PLA2G1B angegriffen werden. Die Membranen dieser Lymphozyten verformen sich dann und werden uneben.

Aufgrund ihrer Verformung ist die Funktion der Rezeptoren der CD4+-Lymphozyten blockiert und sie können ihre regulatorische Rolle nicht mehr ausüben. Das Immunsystem kann sich dann nicht mehr verteidigen. Die Patienten sind also immungeschwächt und anfällig für andere Infektionen oder Krebsarten, die zum Tode führen können.

Was kann die Entdeckung des Startups Diaccurate verändern?

Die Identifizierung dieses Phänomens der unebenen Membran der CD4+-Lymphozyten sowie die Rolle, die das Enzym PLA2G1B spielt, ebnen den Weg für die Erforschung einer neuen Behandlungsmöglichkeit von HIV-Patienten. Anlässlich der Veröffentlichung im Journal of Clinical Investigations gab Diaccurate bekannt, das sie einen humanisierten monoklonalen Antikörper* entwickelt haben, der in der Lage ist, das PLA2G1B-Enzym zu neutralisieren und die CD4+-Hyporeaktivität und die CD4+-Lymphopenie, aktuell im präklinischen Stadium befindlich, umzukehren.

Diese Behandlungsmöglichkeit erfordert jedoch erhebliche finanzielle Mittel und sollte frühestens in 5-10 Jahren vollständig entwickelt sein. Aber diese Entwicklung könnte möglicherweise eine vollständige Remission von Menschen mit HIV ermöglichen. Philippe Pouletty, CEO von Truffle Capital (Risikokapital-Managementfonds, Ursprung der Gründung von Diaccurate) zufolge: „Wir wissen, dass dieses Enzym mit diesem Antikörper (mit dem Namen Plazumab) effektiv neutralisiert werden kann. Aber von diesem Punkt aus zu sagen, dass die Neutralisierung zu einer funktionstüchtigen Heilung von AIDS führen kann oder in der Onkologie, dazu werden viele Jahre an klinischen Studien notwendig sein."

*Das ultimative Ziel der Humanisierung eines Antikörpers ist es, variable Regionen zu produzieren, die den menschlichen Regionen ähneln, ohne dass der humanisierte Antikörper die Affinität und die Spezifizität des murinen Antikörpers verliert, INSERM.

Darüber hinaus eröffnet diese Neuentdeckung den Weg für neue therapeutische Strategien. Aber bis die Wissenschaftler eine neue antivirale Therapie hervorbringen können, bleibt noch ein langer Weg und es gilt, finanzielle Mittel bereitzustellen.

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