Immunthrombozytopenie (ITP): Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten
Veröffentlicht am 20.09.2026 • Von Léonie Guerut
Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch eine verminderte Anzahl von Blutplättchen im Blut gekennzeichnet ist. Die Blutplättchen spielen eine wesentliche Rolle bei der Blutgerinnung und tragen insbesondere dazu bei, Blutungen zu vermindern.
Bei einer ITP greift das Immunsystem die Blutplättchen fälschlicherweise an, was deren Abbau beschleunigt. Auch die Bildung von Blutplättchen kann gestört sein.
Wenn die Thrombozytenzahl zu niedrig wird, steigt das Blutungsrisiko. Die Erkrankung kann jedoch von Person zu Person sehr unterschiedlich verlaufen und reicht von einer bei einer Blutuntersuchung festgestellten Thrombozytopenie bis hin zu Blutungen, die eine schnelle medizinische Behandlung erfordern.
ITP erfordert in der Regel eine ärztliche Betreuung, insbesondere durch einen Hausarzt und je nach Situation durch einen Hämatologen.
Welche Symptome gibt es bei ITP?
Die Immunthrombozytopenie (ITP) kann ohne besondere Symptome festgestellt werden, insbesondere wenn eine verminderte Thrombozytenzahl zufällig bei einer Blutuntersuchung festgestellt wird.
Wenn Symptome auftreten, hängen diese hauptsächlich mit der verminderten Thrombozytenzahl zusammen.
Zu den möglichen Symptomen gehören insbesondere:
- Petechien, kleine rote oder violette Flecken auf der Haut
- Blutergüsse oder „blaue Flecken“, die leichter entstehen
- Nasenbluten
- Zahnfleischbluten
- bei manchen Frauen stärkere Menstruationsblutungen
- seltener: stärkere Blutungen
Das Auftreten von Blutungen erfordert eine ärztliche Untersuchung, insbesondere bei schwerer Thrombozytopenie.
Warum sinkt die Thrombozytenzahl bei ITP?
ITP steht im Zusammenhang mit einer Fehlregulation des Immunsystems.
Normalerweise ermöglichen die Immunmechanismen die Unterscheidung zwischen körpereigenen Zellen und Fremdstoffen. Bei ITP ist diese Regulation gestört: Die Thrombozyten werden fälschlicherweise als zu beseitigende Elemente erkannt.
Sie werden daraufhin schneller abgebaut, insbesondere in der Milz. Auch die Thrombozytenproduktion im Knochenmark kann beeinträchtigt sein.
ITP wird daher als Autoimmunerkrankung bezeichnet.
Es ist wichtig, ITP von anderen Ursachen einer Thrombozytopenie zu unterscheiden. Die Diagnose basiert daher auf der Auswertung des klinischen und labortechnischen Befundes sowie auf dem Ausschluss anderer möglicher Ursachen für eine Thrombozytenminderung.
Wie wird ITP diagnostiziert?
Die Diagnose einer Immunthrombozytopenie stützt sich hauptsächlich auf eine medizinische und labortechnische Beurteilung.
Ein großes Blutbild (GBB) ermöglicht die Bestimmung der Thrombozytenzahl. Es können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um nach einer anderen Ursache für die Thrombozytopenie zu suchen.
Der Arzt berücksichtigt außerdem:
- etwaige Symptome
- die Anamnese
- die eingenommenen Medikamente
- die Ergebnisse der Blutuntersuchungen
- das mögliche Vorliegen weiterer Auffälligkeiten im Blutbild
- den klinischen Kontext
Die Diagnose der ITP ist daher eine Diagnose, bei der darauf geachtet werden muss, diese Erkrankung nicht mit anderen Ursachen einer Thrombozytopenie zu verwechseln.
Wie hoch ist die Thrombozytenzahl bei ITP?
Die Thrombozytenzahl wird üblicherweise in G/l (Giga pro Liter) oder in Zellen pro Mikroliter (/µl) angegeben.
Die weitere Vorgehensweise hängt jedoch nicht allein von einer Zahl ab. Der Arzt berücksichtigt auch mögliche Blutungen, das Alter des Patienten, begleitende Behandlungen, Begleiterkrankungen und den klinischen Kontext.
Bei Erwachsenen wird in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) zu ITP darauf hingewiesen, dass bestimmte Situationen eine Behandlung rechtfertigen können, selbst wenn die Thrombozytopenie nicht extrem niedrig ist. Dies ist insbesondere bei Blutungserscheinungen, vor bestimmten invasiven Eingriffen oder bei Patienten der Fall, die bestimmte Medikamente einnehmen, die die Hämostase beeinflussen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei ITP?
Die Behandlung der ITP wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt. Sie hängt insbesondere von der Thrombozytenzahl, dem Vorliegen von Blutungen, dem Krankheitsverlauf und den damit verbundenen Risikofaktoren ab.
Das Ziel besteht nicht unbedingt darin, die Thrombozytenzahl systematisch zu normalisieren. Die Behandlung zielt oft darauf ab, einen Thrombozytenwert aufrechtzuerhalten, der das Blutungsrisiko begrenzt und gleichzeitig die Nebenwirkungen der Behandlungen so weit wie möglich vermeidet.
Kortikosteroide
Kortikosteroide gehören in bestimmten Situationen zu den Erstlinienbehandlungen bei ITP.
Sie ermöglichen es, die Aktivität des Immunsystems zu reduzieren, das für die Zerstörung der Thrombozyten verantwortlich ist. Bei Erwachsenen ist je nach Situation der Einsatz von Prednison oder Dexamethason vorgesehen.
Die Kortikosteroidtherapie sollte, soweit möglich, zeitlich begrenzt sein, da eine längere Anwendung mit Nebenwirkungen verbunden ist.
Intravenöse Immunglobuline
Intravenöse Immunglobuline (IVIG) können in bestimmten Situationen eingesetzt werden, insbesondere wenn eine rasche Erhöhung der Thrombozytenzahl dringend erforderlich ist oder ein signifikantes hämorrhagisches Syndrom vorliegt.
Je nach klinischer Situation können sie mit Kortikosteroiden kombiniert werden.
Zweitlinienbehandlungen
Wenn die ITP anhält, wieder auftritt oder nicht ausreichend auf die Erstlinienbehandlung anspricht, kann eine Zweitlinienbehandlung in Betracht gezogen werden.
Je nach Situation kann die Behandlung insbesondere Medikamente umfassen, die auf die Thrombozytenproduktion einwirken, oder andere Therapien, die auf das Immunsystem abzielen.
Die Wahl hängt vom Profil des Patienten, dem Ansprechen auf vorherige Behandlungen, den damit verbundenen Risiken und den therapeutischen Zielen ab. Die Behandlung muss daher individuell angepasst werden und Gegenstand einer gemeinsamen Entscheidung zwischen dem Patienten und dem medizinischen Team sein.
Splenektomie
Bei bestimmten anhaltenden oder chronischen Formen der ITP kann eine Splenektomie, d. h. die operative Entfernung der Milz, in Betracht gezogen werden.
Die Entscheidung hängt von zahlreichen Faktoren ab und muss gemeinsam mit dem medizinischen Team unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte und der bereits durchgeführten Behandlungen getroffen werden.
Ist die Immunthrombozytopenie eine chronische Erkrankung?
Der Krankheitsverlauf der ITP ist von Person zu Person unterschiedlich.
Bei einigen Patienten, insbesondere bei einer neu diagnostizierten Erkrankung, kann eine Remission erreicht werden. Bei anderen bleibt die Thrombozytopenie bestehen oder tritt nach Absetzen der Behandlung erneut auf.
Man spricht von einer chronischen ITP, wenn die Erkrankung seit mehr als einem Jahr besteht. Im Rahmen der medizinischen Nachsorge werden dann regelmäßig die Thrombozytenzahl, eventuelle Symptome und die Verträglichkeit der Behandlung beurteilt.
ITP und Blutungsrisiko
Die wichtigste Komplikation der chronischen Immunthrombozytopenie (ITP) hängt mit der verminderten Thrombozytenzahl zusammen und betrifft das Blutungsrisiko.
Dieses Risiko variiert jedoch je nach Ausprägung der Thrombozytopenie und dem klinischen Kontext. Besondere Vorsicht ist bei Personen geboten, die Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen, bei bestimmten älteren Menschen oder vor einem chirurgischen Eingriff.
Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen können, sollten in bestimmten Situationen neubewertet werden. Nichtsteroidale Entzündungshemmer werden bei der Behandlung der chronischen ITP ebenfalls nicht empfohlen.
Kann man mit ITP ein normales Leben führen?
ITP kann je nach Form und Verlauf unterschiedliche Auswirkungen haben.
Bei manchen Menschen verläuft die Thrombozytopenie ohne nennenswerte Symptome und erfordert in erster Linie eine Überwachung. Andere benötigen möglicherweise eine regelmäßige Behandlung und eine fachärztliche Betreuung.
Die Behandlung beschränkt sich daher nicht nur auf die Thrombozytenzahl. Sie zielt auch darauf ab, die Lebensqualität, die berufliche Tätigkeit, das soziale Leben und die Alltagsaktivitäten des Patienten zu erhalten.
Wann sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen?
Bei bekannter ITP sollte das Auftreten ungewöhnlicher oder starker Blutungen dazu führen, dass umgehend ärztlicher Rat eingeholt wird.
Eine Situation, bei der eine schwere Thrombozytopenie mit Blutungen einhergeht, kann eine Notfallversorgung erfordern. Eine neu festgestellte Thrombozytopenie mit einem Thrombozytenwert unter 20 000/µl oder Blutungen können je nach Kontext einen sofortigen Krankenhausaufenthalt rechtfertigen.
ITP: Die Bedeutung einer individuellen Betreuung
Die Immunthrombozytopenie erfordert eine auf jeden Patienten individuell abgestimmte Behandlung. Durch diese angepasste Betreuung lässt sich die Entwicklung der Thrombozytenzahl überwachen, mögliche Anzeichen von Blutungen erkennen und die Behandlung bei Bedarf anpassen.
Der behandelnde Arzt und der Hämatologe können zusammenarbeiten, um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten, insbesondere bei persistierenden oder chronischen Formen.
FAQ zur Immunthrombozytopenie
Was ist ITP?
ITP, kurz für Immunthrombozytopenie, früher auch immunologische thrombozytopenische Purpura oder Morbus Werlhof genannt, ist eine Autoimmunerkrankung, die durch eine verminderte Thrombozytenzahl gekennzeichnet ist, die insbesondere auf deren verstärkte Zerstörung durch das Immunsystem zurückzuführen ist.
Was sind die wichtigsten Symptome der ITP?
ITP kann asymptomatisch verlaufen. Wenn Symptome auftreten, können diese Petechien, Blutergüsse, Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder starke Menstruationsblutungen umfassen.
Ist eine ITP eine schwere Erkrankung?
Der Schweregrad von ITP hängt insbesondere vom Ausmaß der Thrombozytopenie, dem Vorliegen von Blutungen und dem medizinischen Kontext ab. Einige Formen erfordern lediglich eine Überwachung, während andere behandelt werden müssen.
Wie wird ITP behandelt?
Je nach Situation kann die Behandlung Kortikosteroide, intravenöse Immunglobuline oder, bei anhaltenden Formen, verschiedene Zweitlinienbehandlungen umfassen. Die Strategie wird vom Arzt entsprechend dem Profil des Patienten festgelegt.
Kann ITP wieder abklingen?
Ja, der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Patienten kann eine Remission eintreten, während andere eine anhaltende oder chronische Form entwickeln, die eine langfristige Betreuung erfordert.
Kann man ITP bei normaler Thrombozytenzahl haben?
ITP ist per Definition mit einer Thrombozytopenie verbunden. Eine normale Thrombozytenzahl entspricht daher keiner aktiven Thrombozytopenie, auch wenn sich die Erkrankung möglicherweise in Remission befindet.
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Quellen:
Haute Autorité de Santé (HAS) — Purpura thrombopénique immunologique de l’adulte, PNDS
Centre de Référence des Cytopénies Auto-Immunes de l’adulte (CeReCAI) — Synthèse à destination du médecin traitant – Purpura thrombopénique immunologique de l’adulte
Haute Autorité de Santé (HAS) — Purpura thrombopénique immunologique de l’enfant et de l’adolescen
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