«
»

Top

Wie wirkt sich Epilepsie auf das Gedächtnis aus?

Veröffentlicht am 08.02.2021 • Von Courtney Johnson

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine Fehlfunktion des Gehirns, bei der die Neuronen, die durch elektrische Signale zusammenarbeiten sollten, nicht mehr richtig miteinander kommunizieren. Viele Patienten leiden aufgrund ihrer epileptischen Anfälle unter Gedächtnisproblemen.

Wie kann Epilepsie das Gedächtnis beeinträchtigen? Was verursacht diese Gedächtnisprobleme? Wie können Sie mit Ihnen umgehen?

Zu Ehren des Internationalen Epilepsietages am 8. Februar wollten wir mit unserem Artikel auf dieses Thema aufmerksam machen!


Wie wirkt sich Epilepsie auf das Gedächtnis aus?

Wie und warum beeinträchtigt Epilepsie das Gedächtnis?

Viele Menschen mit Epilepsie berichten, dass sie Probleme mit ihrem Gedächtnis haben. Tatsächlich ist es eines der häufigsten Probleme wegen denen Epilepsiepatienten Hilfe suchen.

Gedächtnisprobleme können durch Folgendes verursacht werden:

Krampfanfälle

Jede Art von epileptischem Anfall kann Auswirkungen auf das Gedächtnis haben, entweder davor, während oder danach. Unser Gehirn überwacht sich ständig selbst, um Informationen zu kodieren, abzuspeichern und abzurufen, was wir als Erinnerungen interpretieren. Während eines Krampfanfalls wird diese interne Überwachung durch plötzliche Ausbrüche von elektrischer Aktivität unterbrochen, was dazu führen kann, dass Erinnerungen nicht gebildet, abgespeichert oder abgerufen werden können.

Manche Epilepsiepatienten haben generalisierte Krampfanfälle, die das gesamte Gehirn betreffen, während andere fokale (partielle) Krampfanfälle haben, die nur einen Teil des Gehirns betreffen. Einige Patienten können sogar beides haben. Krampfanfälle können das Gedächtnis in jeder dieser Phasen beeinträchtigen:

  • Vor einem Krampfanfall - Erinnerungen, die vor einem Anfall gebildet wurden, können verloren gehen, da die Kodierungs- und Speicherprozesse gestört sind.
  • Während einem Krampfanfall - Bewusstseinsverlust während eines Krampfanfalls verhindert, dass Erinnerungen aufgenommen und abgespeichert werden.
  • Nach einem Krampfanfall - Verwirrtheit nach einem Krampfanfall (sogenannte postiktale Verwirrtheit) ist häufig und kann zu Schwierigkeiten beim Erinnern von Informationen führen. Sie lässt normalerweise nach, wenn sich der Patient erholt.

Antiepileptika

Bestimmte Medikamente zur Behandlung von Epilepsie (manchmal auch Antikonvulsiva oder AEDs genannt) können Nebenwirkungen verursachen, die das Gedächtnis beeinträchtigen, da sie die übermäßige elektrische Aktivität im Gehirn verlangsamen. Sie können zu Konzentrationsproblemen oder Schläfrigkeit führen, die das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen und es schwer machen, neue Informationen zu lernen und sich an sie zu erinnern.

Umgekehrt helfen Antiepileptika, die Anzahl der Krampfanfälle zu reduzieren, so dass sie bei einigen Patienten sogar bei der Verbesserung des Gedächtnisses helfen können.

Schädigung des Temporallappens

Das Gehirn besteht aus zwei Hemisphären oder Hälften, die aus vier Lappen bestehen: dem Okzipital-, Parietal-, Temporal- und Frontallappen. Die Erforschung der Gehirnaktivität hat ergeben, dass ein Großteil unserer Erinnerungsprozesse im Temporallappen abläuft, so dass Krampfanfälle in diesem Teil des Gehirns zu Gedächtnisproblemen führen können:

  • Schädigung des rechten Temporallappens: Dieser Teil des Gehirns ist wichtig für das visuelle Gedächtnis, z.B. um sich Gesichter zu merken oder sich in einer bestimmten physischen Umgebung zurechtzufinden.
  • Schädigung des linken Temporallappens: Dieser Lappen ist wichtig für das verbale Gedächtnis, z.B. um Namen und Fakten zu lernen, so dass Patienten, die Krampfanfälle in diesem Bereich des Gehirns haben, Schwierigkeiten bekommen können, sich an Wörter zu erinnern und möglicherweise Schwierigkeiten beim Sprechen haben.

Operation

Wenn Antiepileptika nicht helfen, Epilepsieanfälle zu kontrollieren oder, wenn Röntgenbilder zeigen, dass sich die Krampfanfälle auf einen kleinen Bereich des Gehirns beschränken, kann eine Operation eine mögliche Behandlungsoption darstellen. Manche Patienten berichten von Gedächtnisproblemen nach einer Operation, insbesondere nach einer Operation des Temporallappens. Obwohl eine Operation helfen kann, die Krampfanfälle zu lindern oder gar zu stoppen, kann sie auch zu temporären oder permanenten Gedächtnisproblemen führen.

Emotionales und allgemeines Wohlbefinden

Epilepsie kann den Alltag eines Patienten belasten, in dem dadurch Stress oder Ängste ausgelöst oder Schlafprobleme verursacht werden. Stress und Schlafmangel sind bekannt dafür, einen erheblichen Einfluss auf die Konzentration und das Gedächtnis zu haben, da unser Gehirn Informationen im Schlaf verarbeitet und es unter Stress schwieriger ist, Erinnerungen zu bilden und abzuspeichern.

Wie können Sie mit Gedächtnisproblemen umgehen, die durch Epilepsie verursacht werden?

Obwohl durch Epilepsie verursachte Gedächtnisprobleme frustrierend sein können, gibt es ein paar Techniken, die Ihnen helfen können, damit umzugehen:

  • Konzentrieren Sie sich auf das Wichtigste - Niemand, ob er an Epilepsie leidet oder nicht, kann sich alles merken. Wenn Sie sich an etwas erinnern müssen, versuchen Sie sich auf die wichtigsten Aspekte zu konzentrieren und ignorieren Sie den Rest.
  • Wiederholung - Wiederholen Sie laut, woran Sie sich erinnern müssen, damit werden Sie gezwungen, die Informationen auf zwei verschiedene Weisen zu verarbeiten (durch Hören und Sprechen). Indem Sie über die Information nachdenken, sie aussprechen und hören, schaffen Sie mehr Verbindungen in Ihrem Gehirn und es ist wahrscheinlicher, dass Sie sich erinnern.
  • Machen Sie Listen - Dies mag offensichtlich erscheinen, aber indem Sie unwichtige Dinge oder Aufgaben, die Sie erledigen müssen, notieren, schaffen Sie Platz in Ihrem Gehirn, um sich auf das Erinnern wichtigerer Informationen zu konzentrieren, anstatt an die morgige Einkaufsliste.
  • Seien Sie nett zu sich selbst - Wir alle haben irgendwann einmal Gedächtnislücken, also versuchen Sie nicht darüber zu grübeln, wenn sie passieren. Denken Sie daran, dass niemand perfekt ist und versuchen Sie, aus Ihren Fehlern zu lernen.
  • Trainieren Sie Ihr Gehirn - Wir alle kennen das Sprichwort „Der stärkste Muskel ist das Gehirn“, oder? Nun, da ist etwas Wahres dran; ein aktives Gehirn hilft, das Gedächtnis stark zu halten! Versuchen Sie, ein Thema oder Hobby zu finden, das Sie interessiert und Ihr Gehirn trainiert. Lernen Sie eine neue Sprache oder ein Musikinstrument, lesen Sie ein anspruchsvolles Buch, machen Sie Puzzles oder Kreuzworträtsel, die Auswahl ist grenzenlos!

Obwohl durch Epilepsie verursachte Gedächtnisprobleme frustrierend oder schwer zu akzeptieren sein können, wird es Ihnen hoffentlich helfen, besser damit umzugehen, wenn Sie verstehen, wie und warum sie auftreten, und einige Techniken zum Gedächtnistraining zu Ihrem Leben hinzufügen!

War dieser Artikel hilfreich für Sie?
Gerne können Sie Ihre Gedanken und Fragen in den untenstehenden Kommentaren mitteilen!

Alles Gute!


avatar Courtney Johnson

Autor: Courtney Johnson, Gesundheitsredakteurin

Courtney ist Content Creator bei Carenity und konzentriert sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen Ernährung, Wellness und Psychologie.

Courtney hat einen... >> Mehr erfahren

Kommentare

Sie werden auch mögen

Antikörper-Gehirnentzündung oft nicht erkannt

Epilepsie

Antikörper-Gehirnentzündung oft nicht erkannt

Den Artikel lesen
Epilepsie und Alltag: unser Rat

Epilepsie

Epilepsie und Alltag: unser Rat

Den Artikel lesen
Epileptische Anfälle: Wie man die Symptome erkennen und helfen kann

Epilepsie

Epileptische Anfälle: Wie man die Symptome erkennen und helfen kann

Den Artikel lesen
Impfungen gegen COVID-19: Informationen und Meinungen der chronisch Erkrankten

Impfungen gegen COVID-19: Informationen und Meinungen der chronisch Erkrankten

Den Artikel lesen

Infoblatt Krankheit