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Alles, was Sie über Epilepsie wissen müssen!

Veröffentlicht am 14.02.2022 • Von Candice Salomé

Das Wort „Epilepsie“ stammt vom griechischen Wort „epilambanein“ ab, das „überwältigt werden“ bedeutet. Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch das Auftreten von epileptischen Anfällen gekennzeichnet ist. Diese Anfälle sind Ausdruck einer plötzlichen und vorübergehenden Störung der elektrischen Aktivität des Gehirns.

In Deutschland sind über 800.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Das Risiko an Epilepsie zu erkranken, ist in den ersten fünf Lebensjahren besonders hoch.

Aber was genau ist Epilepsie? Wie äußern sich die Anfälle? Was sind die Ursachen? Wie kann Epilepsie behandelt werden?

Wir verraten es Ihnen in unserem Artikel!

Alles, was Sie über Epilepsie wissen müssen!

Worum handelt es sich bei Epilepsie ?

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch einen plötzlichen Anstieg der elektrischen Aktivität im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer vorübergehenden Störung der Kommunikation zwischen den Neuronen. Epilepsie äußert sich in Anfällen, die auf eine Übererregung der Nervenzellen, der Neuronen in der Großhirnrinde, zurückzuführen sind.

Es werden mehrere Formen der Epilepsie unterschieden:

  • Generalisierte Epilepsie (in 1/3 der Fälle): Die betroffenen Neuronen breiten die Anomalie auf das gesamte Gehirn aus
  • Fokale Epilepsie: Wenn nur in einem Teil des Gehirns eine übermäßige elektrische Aktivität vorherrscht

Einige Anfälle, die als situationsbedingt bezeichnet werden, können einmalig bleiben. Sie können mit einem Faktor zusammenhängen, der das Gehirn vorübergehend reizt (akute Infektion, Alkohol, Unterzuckerungm ...). In diesem Fall spricht man von einem zufälligen Anfall und nicht von Epilepsie.

Es gibt nicht die Epilepsie, sondern mehrere Epilepsiesyndrome mit unterschiedlichem Schweregrad, die sich durch das Alter des Auftretens der Anfälle, ihre Ursache, die Art und Häufigkeit ihres Auftretens sowie das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung definieren.

Was sind die Symptome von Epilepsie? 

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende klinische Erscheinung, die mit einer abnormalen elektrischen Aktivität der Nervenzellen in der Großhirnrinde zusammenhängt. Ein epileptischer Anfall kann nicht auf eine einzige Weise definiert werden.

Es gibt mehrere Arten von generalisierten Anfällen:

  • Die tonisch-klonischen Anfälle, die in der Öffentlichkeit am bekanntesten sind, da sie eindrucksvoll aussehen, äußern sich durch Schreien, Sturz, Bewusstlosigkeit, Steifheit des Körpers, Krämpfe, Speichelfluss („Schaum vor dem Mund„), Apnoe, ... Der Patient verliert das Bewusstsein und hat keine Erinnerung an den Anfall.
  • Klonische Anfälle sind durch die Kontraktion und Versteifung eines oder mehrerer Muskeln gekennzeichnet.
  • Myoklonische Anfälle, die sich durch kurze Muskelzuckungen äußern, können bei vollem Bewusstsein auftreten.
  • Absencen, auch Petit-Mal-Anfälle genannt, bei denen es sich um eine kurze Bewusstseinsstörung mit Abbruch der aktuellen Aktivität handelt, die manchmal mit abnormalen Bewegungen der Augenlider (Kloni) verbunden sind. Diese Anfälle treten vor allem bei Kindern auf und können sich mehrmals am Tag oder sogar stündlich wiederholen.
  • Tonische Anfälle, die sich in einer intensiven und generalisierten Kontraktion der Gliedmaßen, der Wirbelsäule, des Brustkorbs und des Gesichts äußern, mit Apnoe oder sogar Zyanose, d.h. starkem Sauerstoffmangel, was die Schwere dieser Anfälle ausmacht.
  • Atonische Anfälle, die sich durch einen plötzlichen Bewusstseinsverlust mit Sturz und manchmal Urinverlust äußern. Diese Anfälle sind am seltensten und dauern in der Regel nur wenige Sekunden. Danach kann die Person ihre Aktivitäten wieder normal aufnehmen.

Darüber hinaus spricht man von partiellen oder fokalen Anfällen, wenn die Entladung in einem einzigen Bereich des Gehirns stattfindet. Auch bei diesen gibt es verschiedene Arten:

  • Einfach fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist nicht beeinträchtigt
  • Komplex fokale Anfälle: Es kommt zu einer Veränderung des Bewusstseins
  • Sekundär generalisierte partielle Anfälle: Sie gehen in einem zweiten Schritt in tonisch-klonische Anfälle über

Was sind die Ursachen von Epilepsie? 

Epilepsie ist eine Erkrankung mit mehreren Faktoren. Dennoch kommt es vor, dass keine Ursache gefunden wird, dann spricht man von idiopathischer Epilepsie. 

Für die Entstehung von Epilepsie sind verschiedene Faktoren verantwortlich:

  • Die genetische Komponente. Sie ist bei 2/3 aller Epilepsieerkrankungen vorhanden. Abgesehen von einigen familiären Formen, die auf eine Anomalie eines einzelnen Gens zurückzuführen sind, steht die Epilepsie meist in Zusammenhang mit Anomalien, die mehrere Gene betreffen
  • Läsionen im Gehirn (Tumore, Schlaganfall, Hirnblutungen, ...)
  • Eine infektiöse Erkrankung des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis)
  • Ein Schädel-Hirn-Trauma
  • Eine Fehlbildung des Gehirns (wie die tuberöse Sklerose - eine Erbkrankheit, die Haut und Nervensystem betrifft)
  • Eine systemische Erkrankung (wie systemischer Lupus erythematodes)
  • Ein chronischer Alkoholismus
  • Eine Entwicklungsstörung in bestimmten Bereichen der Großhirnrinde

Leider können die Ärzte in etwa 60% der Fälle die genaue Ursache der Anfälle nicht feststellen.

Wie wird Epilepsie diagnostiziert? 

Die Diagnose der Epilepsie beruht auf der Wiederholung der Anfälle, der Art der Anfälle und einer Reihe von zusätzlichen Untersuchungen, die Aufschluss über die Ursache der Anfälle geben.
Die Diagnose ermöglicht es auch, die Art der Epilepsie (fokale oder generalisierte Epilepsie) zu bestimmen, an der der Patient leidet.

So beruht die Diagnose auf :

  • Einer Befragung des Patienten und seiner Angehörigen (Umstände der Anfälle, Beschreibung der Symptome und Dauer, Häufigkeit, medizinische Vorgeschichte, ...)
  • Einer klinischen Untersuchung des Patienten sowie der Suche nach möglichen begünstigenden Faktoren
  • Einem Elektroenzephalogramm (EEG). Diese Untersuchung ermöglicht es, die elektrische Aktivität des Gehirns des Patienten aufzuzeichnen. Bei Epilepsie können spezifische Anomalien hervorgehoben werden, die zwischen den Anfällen permanent oder intermittierend auftreten. Man spricht dann von Spitzen oder Wellenspitzen, die in bestimmten Bereichen des Gehirns vorhanden sind

Die Suche nach den Ursachen der Erkrankung erfolgt vor allem mit Hilfe bildgebender Verfahren wie CT oder MRT, die die Strukturen des Gehirns sichtbar machen können. Diese Untersuchungen werden jedoch nicht systematisch durchgeführt. Andere Untersuchungen wie ein Bluttest oder eine Untersuchung des Augenhintergrunds können bei der Suche bestimmter Ursachen hilfreich sein.

Wie wird Epilepsie behandelt? 

Es ist nicht notwendig, bei jedem epileptischen Anfall einen Spezialisten aufzusuchen. Dennoch ist ein Arztbesuch erforderlich, wenn:

  • Es Ihr erster Anfall ist
  • Sie Veränderungen in der Art und Weise wahrnehmen, wie Sie sich während und nach einem Anfall fühlen
  • Sie Anzeichen von Verletzungen in Verbindung mit einem Anfall wahrnehmen
  • Die Häufigkeit Ihrer Anfälle variiert

Die Einnahme von Antikonvulsiva ermöglicht es, epileptische Anfälle bei einer großen Mehrheit der Patienten einzudämmen. Alternativ können sie zumindest die Anzahl der Anfälle sowie deren Intensität verringern.

In der Regel reicht die Einnahme eines einzigen Medikaments aus. Häufig müssen jedoch mehrere Behandlungsmöglichkeiten getestet werden, bevor die für den Patienten am besten geeignete gefunden wird.

Die Medikamente, die seit vielen Jahren zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, sind Phenytoin (Epanutin®), Carbamazepin (Tegretal®) und Valproinsäure (Convulex®, Orfiril®).

Andere sind jünger: Gabapentin (Neurontin®), Lamotrigin (Lamictal®), Topiramat (Topamax®) und Levetiracetam (Keppra®). Pregabalin (Lyrica®) ist ein Gabapentin-Analogon, das etwas weniger Nebenwirkungen verursacht.  

Einige Behandlungen wie Epanutin® oder Tegretal® und können die Ausscheidung von Vitamin D erhöhen, was langfristig zu Osteoporose führen kann. Ihr Arzt kann Ihnen dann ein Vitamin-D-Präparat verschreiben.


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avatar Candice Salomé

Autor: Candice Salomé, Gesundheitsredakteurin

Candice ist Content Creator bei Carenity und hat sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln spezialisiert. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen Psychologie, Wellbeing und Sport. 

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Wer hat es korrigiert: Alizé Vives, Pharmazeutin, Data Scientist

Alizé hat einen Doktor in Pharmazie und ist Absolventin des Masterstudiengangs für Strategy & Management of International Business der ESSEC Business School. Sie hat mehrere Jahre Erfahrung in der Arbeit mit... >> Mehr erfahren

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