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Prostatakrebs: "Eine psychologische Betreuung nach einer Prostatektomie gibt es praktisch nicht!"

Veröffentlicht am 15.01.2021 • Von Candice Salomé

@Jeanlada, Mitglied der Carenity-Community leidet an Prostatakrebs. Er unterzog sich einer Prostatektomie und blickt auf die unerwünschten Folgen der Operation zurück. Er spricht über seinen postoperativen Weg mit Carenity.

Prostatakrebs:

Hallo @Jeanlada, Sie haben akzeptiert, Ihre Geschichte mit Carenity zu teilen und wir dafür danken wir Ihnen.

Können Sie uns zunächst mehr über sich erzählen?

Ich heiße Jean-Marie und ich wurde am 31.10.1953 geboren. Ich bin seit März 2016 aus dem Bankwesen (Social Engineering) ausgeschieden. Ich bin heiratet und habe zwei Zwillingskinder, die 30 Jahre alt sind. Ich begeistere mich für Geschichte, Wirtschaft und Heimwerken.

Sie leiden an Prostatakrebs. Könnten Sie uns mehr über die Diagnose erzählen? Warum haben Sie sich wegen Prostatakrebs an einen Arzt gewandt? Welche Tests wurden durchgeführt, um dies festzustellen?

Am 16. Juli 2016 hatte ich einen schweren Herzinfarkt. Während eines routinemäßigen Cholesterin-Checks nach dem Herzinfarkt bot mir mein Hausarzt einen PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) an. Er hat mich am nächsten Tag angerufen, um mir zu sagen, dass die Ergebnisse etwas anormal waren (5,05 anstatt 4). Also wurde ich erneut kontrolliert, was die ersten Ergebnisse bestätigte.

Mein Hausarzt überwies mich an einen Urologen in Châteauroux, wo wir leben, und sagte mir, ich sollte mir keine Gedanken machen. Der Urologe verordnete mir daraufhin eine Biopsie.

Positives Ergebnis: 6 der 18 Gewebeproben sind krebsartig. Ich spürte deutlich, dass der Urologe verlegen war und zu mir sagte: „ja, sie haben einen relativ aggressiven Krebs“. Er verordnete mir zusätzlich einen Szintigraphie*, um nachzusehen, ob die Knochen in Mitleidenschaft geraten waren.

Negatives Ergebnis: Puh! Der Krebs beschränkt sich auf die Drüse. Der Urologe fragte mich, was ich tun möchte, und ich sagte ihm, dass ich eine zweite Meinung wünschte. Er hat spontan seinen ehemaligen Professor in Tours angerufen und ich hatte am übernächsten Tag einen Termin.

Bestätigung der Diagnose, sehr kalter, distanzierter Empfang: „Sie müssen operiert werden, sonst haben Sie in einem Jahr Metastasen.“

In Bezug auf, was ich bei der Diagnose empfunden habe, hatte ich wirklich das Gefühl, dass mir der Himmel auf den Kopf fiel; wie alle anderen, las ich alles über das Thema und was ich am meisten fürchtete, waren die Auswirkungen auf die Erektionen.

* Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Bildgebungsmethode, die durch Verabreichung eines Radiopharmakons ein funktionelles Bild erzeugt, bei der die Strahlung erfasst wird, sobald sie vom zu untersuchenden Organ oder Ziel aufgenommen wurde.

Wie war die Betreuung nach der Diagnose? Was war Ihr Behandlungspfad? Können Sie uns etwas über die Unterstützung des medizinischen Personals während Ihrer Behandlung erzählen?

Ich habe mich also entschieden, in Tours vom Da Vinci-Roboter operiert zu werden. Der Professor hat mir klargemacht, dass ich einige Wochen inkontinent sein werde und, dass es möglich sei, dass ich Erektionsschwierigkeiten haben werde. Für mich war es das, was mich verfolgt hat.

Die Operation fand am 06. März 2018 statt: Nach dem Aufwachen kam ein Assistenzarzt vorbei, um mir zu sagen, dass alles gut verlaufen sei.

Sehr schnell begann die Katastrophe: Fünf Minuten nach dem Besuch des Assistenzarztes spürte ich Schmerzen im linken Arm, Richtung Kardiologie!

Diagnose: schwerer postoperativer Infarkt, Verlegung in ein anderes Krankenhaus, das auf Kardiologie spezialisiert ist. Beginn der Pflege auf der Intensivstation!

Am 3. Tag hatte ich eine Blutung im Beckenbereich nach der Wiedereinführung der Antikoagulanzien.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich auch vom Tod meiner Mutter während eines Beckenultraschalls. Der Professor besuchte mich extra und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Nachfolgend eine Herz-Reha in Motte Beuvron, aber das kannte ich schon!

Neuer Termin beim Professor, um die Prostatektomie zu besprechen und mir eine Alprostadil-Injektion* zu geben. Die nächsten vier Stunden waren sehr schmerzhaft. Dann komplette Enttäuschung, das Gefühl, völlig verlassen zu sein …

Also habe ich einen Termin mit einer Sexologin vereinbart, sehr mitfühlend, aber hilflos. Das Problem ist mechanisch, weil die erektilen Nerven abgerissen wurden … Sie kann mir also nicht wirklich helfen …

*Dieses Medikament enthält eine Substanz aus der Prostaglandinfamilie. Wird es in den Penis injiziert, verursacht es nach einer Zeit von fünf bis zehn Minuten eine Erektion.

Hat man Sie vor Ihrer Prostatektomie über die möglichen Folgen der Operation aufgeklärt? Haben Sie alle notwendigen Informationen für die möglichen postoperativen Behandlungen erhalten?

Objektiv gesehen ja, aber es sah meistens nach Physikunterricht aus! Es ist jedoch sehr wichtig, auf psychologischer Ebene unterstützt zu werden und ich hätte gerne mit anderen Patienten gesprochen, um mich mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Könnten Sie uns etwas über die Auswirkungen der Prostatektomie auf Ihre Sexualität berichten? Was machen Sie, um dies auszugleichen? Ist es effektiv?

Ich begann drei Monate nach der Operation mit der Reha. Nach der ersten Alprostadil-Injektion haben meine Frau und ich es versucht, aber die Misserfolge waren zahlreicher als die Erfolge. Es ist sehr schwierig, die richtige Alprostadil-Dosis zu finden.

Fast drei Jahre später habe ich immer noch keine spontanen Erektionen, aber fast jedes Mal ein Erfolgserlebnis; es ist jedoch ein mechanischer Effekt und ich habe immer Schmerzen.

Haben die Folgen der Prostatektomie Auswirkungen auf Ihr Liebesleben? Können Sie dies mit Ihrer Partnerin besprechen? Was hat die Operation in Ihrem Privatleben verändert?

Definitiv ja! Manchmal schaffen wir es dennoch, mehrmals hintereinander Spaß zu haben.
Ich rede viel mit meiner Frau, aber sie hat Probleme mit dem Mangel an Spontanität in unseren körperlichen Beziehungen: Alles wird im Voraus geplant …

Was möchten Sie anschließend den Ärzten sagen, die Sie während der gesamten Zeit betreut haben? Wie kann man einen Patienten mit Prostatakrebs besser behandeln, wenn es nach Ihnen geht?

Vor allem sollten sie die Idee loslassen, dass sie nur „einen medizinischen Eingriff“ ausführen, wie sie es nennen! Man müsste sie darin schulen, was diese Operation auf psychologischer Ebene für einen Mann bedeutet. Es ist wahr, dass sie einem das Leben retten, aber es ist nicht mehr dasselbe Leben.

Zuletzt, was würden Sie Carenity-Mitgliedern raten, die ebenfalls an Prostatakrebs leiden?

Vor allem nicht zu zögern, sich frei im Forum zu äußern, zum Wohle aller!

War diese Patientengeschichte für Sie hilfreich?
Gerne können Sie Ihre Gedanken und Fragen in den untenstehenden Kommentaren mitteilen!

Alles Gute!


avatar Candice Salomé

Autor: Candice Salomé, Community Manager Frankreich

Candice Salomé ist Community Manager Frankreich bei Carenity. Sie ist auch an der Abfassung von Artikeln für das Gesundheitsmagazin beteiligt. Sie ist für die Mitgliederbeteiligung der... >> Mehr erfahren

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