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Behandlung von Depressionen: CymbaltaⓇ und LaroxylⓇ, worum handelt es sich?

Veröffentlicht am 01.05.2021 • Von Aurélien De Biagi

Depression ist eine Stimmungsänderung, die durch Denkstörungen sowie durch körperliche Manifestationen (Vitalitätsverlust, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, psychomotorische Verlangsamung) gekennzeichnet ist. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie weltweit der erste Morbiditäts- und Behinderungsfaktor. In Deutschland leidet schätzungsweise jeder Fünfte im Laufe seines Lebens an einer Depression (Selbstmordrate von 5 bis 20%). Diese Krankheit betrifft alle Altersgruppen, von Kindern über Teenager bis hin zu älteren Menschen!

Wie wird eine Depression behandelt? Welche Familien von Antidepressiva gibt es? Lesen Sie unseren Artikel, um mehr darüber zu erfahren!



Behandlung von Depressionen: CymbaltaⓇ und LaroxylⓇ, worum handelt es sich?

Antidepressiva

Die Arzneimittelklasse der Antidepressiva wird in mehrere Familien unterteilt. Es handelt sich um die folgenden: SSRIs, SNRIs, Trizyklika oder Imipraminika, MAOIs und schießlich noch Atypika.

Physiopatholgisch kennzeichnet sich eine Depression durch ein Defizit an bestimmten Neurotransmittern (Serotonin, Noradrenalin und Dopamin). Diese ermöglichen die Kommunikation zwischen den Neuronen.

Antidepressiva zielen daher durch ihre Wirkung darauf ab, die Konzentration dieser Neurotransmitter zu erhöhen.

Diese Medikamente sind in ungefähr 70% der Fälle wirksam. Darüber hinaus existiert eine Verzögerung von zwei bis vier Wochen zwischen der ersten Einnahme und dem Einsetzen der therapeutischen Wirkung. Es ist zu beachten, dass Nebenwirkungen bereits zu Beginn der Behandlung auftreten können. Dies kann einige Patienten dazu bringen, frühzeitig die Einnahme ihrer Medikamente zu beenden.

Um den Patienten während dieser Latenzzeit zu helfen, können zusätzlich schnell wirkende Anxiolytika verschrieben werden (z.B. Benzodiazepine). Axiolytika heilen aber keine Depression. Sie reduzieren lediglich einige Symptome wie Schlafstörungen und Angstzustände. Ihre Verordnung übersteigt normalerweise nicht vier Wochen (Risiko der Abhängigkeit). Wenn es sich um eine Depression handelt, die durch anhaltende Angststörungen verkompliziert wird, kann ein Antidepressivum mit anxiolytischer Wirkung verordnet werden.

Die Aufhebung der psychomotorischen Hemmung ist ein zweiter Grund für die Verordnung von Neuroleptika zu Beginn der Behandlung. In der Tat kann der Patient bei der Einnahme von Antidepressiva in den ersten Tagen oder Wochen (wenn die Wirkung noch nicht eingesetzt hat) der Behandlung Angstzustände (oder eine Verschlimmerung von bereits vorhandenen Angstzuständen) verspüren. Darüber hinaus wird die Aufhebung der psychomotorischen Hemmung (Hemmung aufgrund der Depression) schneller erfolgen als die Stimmungsänderung. Aus diesem Grund erhöht sich das Suizidrisiko insbesondere bei Patienten, die bereits dunkle Gedanken hatten oder haben.

Des Weiteren geht die Behandlung mit Antidepressiva oft über sechs Monate hinaus, um die Genesung zu festigen. Um jegliches Risiko eines Rückfalls zu vermeiden, selbst wenn der Patient die Auswirkungen der Erkrankung nicht mehr spürt, muss die Dauer der Behandlung eingehalten werden. Darüber hinaus erfolgt das Absetzen der Behandlung allmählich, indem die Dosis schrittweise bis zum kompletten Absetzen verringert wird.

Auf der anderen Seite besteht bei allen Antidepressiva die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei anfälligen Personen manische Episoden (die auf eine bipolare Störung hinweisen) auslösen können. Deshalb ist bei Euphorie, ungewöhnlicher Aufgeregtheit oder unnormalem Verhalten ein Arzt aufzusuchen.

Wir werden nun zwei Medikamente genauer vorstellen: Cymbalta (Duloxetin) und Laroxyl (Amitriptylin).

Cymbalta (Duloxetin)

Cymbalta oder Duloxetin, internationaler Freiname (INN), ist ein Antidepressivum aus der Familie der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Durch seine Wirkung verhindert Duloxetin die Wiederaufnahme dieser beiden Neurotransmitter und erhöht so deren Konzentration.

Neben seiner antidepressiven Wirkung wird dieses Medikament auch als Anxiolytika bei generalisierten Angstzuständen sowie als Analgetikum bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei Diabetikern eingesetzt.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Duloxetin kann bei verschiedenen Indikationen verwendet werden. Um welche auch immer es sich handelt, es ist wichtig, die Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu kennen.

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen bei Cymbaltasind die Folgenden: Verdauungsstörungen (Übelkeit), anticholinerge Wirkung (Mundtrockenheit, Verstopfung), sediertes Gefühl, Schwindel, Kopfschmerzen, übermäßiges Schwitzen, Gewichtsverlust, …

In 1 bis 10% der Fälle werden die folgenden Auswirkungen beobachtet: sexuelle Störungen, Erbrechen, abnormale Träume, Tinnitus, verschwommenes Sehen, …

Schließlich verspüren weniger als 1% der Patienten Halluzinationen, Geschmacksstörungen, Gewichtszunahme, erhöhte Glykämie (Blutzuckerwert), Epistaxis (Nasenbluten) und Bluthochdruck.

Tatsächlich ist Duloxetin bei Patienten mit unkontrolliertem Bluthochdruck kontraindiziert. Aufgrund des Anstiegs an Noradrenalin kann es in seltenen Fällen bei Patienten zu hypertensiven Krisen kommen (häufiger bei Patienten mit schon bestehendem Bluthochdruck). Daher wird bei Patienten mit Bluthochdruck und/oder Herzerkrankungen eine Überwachung des Blutdrucks empfohlen, vor allem im ersten Monat der Behandlung. Eine Anpassung der Dosis oder ein Absetzen von Duloxetin muss bei anhaltender Erhöhung des Blutdrucks in Betracht gezogen werden.

Patienten, die Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen oder solche, die zu Blutungen neigen, sollten bei der Anwendung dieses Medikaments aufgrund des Risikos einer Blutung Vorsicht walten lassen.

Darüber hinaus sollte bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz die Dosis angepasst werden. Bei Patienten, die sich aufgrund einer schweren Niereninsuffizienz in Dialyse befinden, ist Duloxetin kontraindiziert (Erhöhung der Plasmakonzentration).

Des Weiteren kann die Kombination von CymbaltaⓇ mit Produkten, die Johanniskraut enthalten, die Häufigkeit von Nebenwirkungen erhöhen.

Schließlich ist es, wie bei jedem Psychopharmakon, ratsam, die Kombination mit Alkohol oder anderen auf das zentrale Nervensystem einwirkenden Produkten zu vermeiden (erhöhtes Risiko an Schläfrigkeit), obwohl keine eindeutigen Wechselwirkungen beobachtet werden konnten.

Medikamentenwechselwirkung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Monoaminoxidase-Hemmer (MAO), eine weitere Familie der Antidepressiva, vor allem die nicht-selektiven irreversiblen (Iproniazid), beinhalten das Risiko von Wechselwirkungen mit Duloxetin. In der Tat kann die Kombination dieser beiden Medikamente ein Serotonin-Syndrom (veränderter mentaler Status, Tachykardie, Hypertonie, Durchfall, Hyperthermie, Zittern und Schüttelfrost) auslösen.

Darüber hinaus sollte jegliche Kombination mit anderen serotonergen Wirkstoffen (z.B. andere Antidepressiva) vermieden werden. In seltenen Fällen ist ein Serotoninsyndrom beobachtet worden. Diese Art an Syndrom kann einen stationären Aufenthalt erfordern oder sogar zum Tod führen.

Meinung der Patienten

Dem Medikamenten-Infoblatt von Carenity zufolge haben 152 Mitglieder ihre Meinung abgegeben. Die Wirksamkeit wurde auf etwa 60% geschätzt.

Ebenfalls wurden die Nebenwirkungen mit 61% als störend bewertet (vor allem Schwitzen, Gewichtszunahme und Verdauungsstörungen).

Laroxyl (Amitriptylin)

Laroxyl oder Amitriptylin, INN, ist ebenfalls ein Antidepressivum. Es handelt sich um ein Mitglied der Familie der Imipraminika oder Trizyklika.

Wie auch Duloxetin wird Amitriptylin nicht nur zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Es wird des Weiteren auch bei Erwachsenen zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Migräne (und andere Kopfschmerzarten) und bei Schmerzen aufgrund einer Gürtelrose eingesetzt.

Bei Kindern ab sechs Jahren kann LaroxylⓇ auch zur Behandlung der nächtlichen Enuresis („Bettnässen“) eingesetzt werden. 

Nebenwirkungen und Kontraindikationen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Nebenwirkungen bei Imipraminika sind auf ihren Wirkmechanismus zurückzuführen. Sie sind für periphere anticholinerge Effekte (Mundtrockenheit, Harnverhalt, Verstopfung, Tachykardie) und zentrale Effekte (Zittern, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Krämpfe bei vorbelasteten Personen wie Epileptikern und Alkoholikern) verantwortlich. Erektile Dysfunktion sowie Schwindelanfälle können ebenfalls beobachtet werden.

Ein Gefühl von Sediertheit und Gewichtszunahme werden ebenfalls von einigen Patienten beschrieben.

Andererseits sind Imipraminika bei gutartiger Prostatahypertrophie, Prostataadenom, Winkelblockglaukom oder Herzerkrankungen (aufgrund der hypotensiven, tachykarden und arrhythmischen Wirkung) kontraindiziert. Aufgrund der letztgenannten Kontraindikation wird die Durchführung eines EKG vor Beginn der Behandlung empfohlen.

Medikamentenwechselwirkung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Diese Medikamentenfamilie sollte nicht in Kombination mit MAO-Antidepressiva (Risiko eines Serotoninsyndroms) oder Sultoprid (ein Antipsychotikum) aufgrund des erhöhten Risikos von Herzrhythmusstörungen eingenommen werden.

Wie bei Duloxetin ist die Kombination mit Alkohol oder anderen Produkten, die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) einwirken, aufgrund der verminderten Wachsamkeit kontraindiziert. Unter diesen Produkten finden sich Benzodiazepine, Hypnotika aber auch einige Morphine.

Meinung der Patienten

Dem Medikamenten-Infoblatt von Carenity zufolge wurde die Wirksamkeit durch die Mitglieder auf etwa 59,4% geschätzt mit einer Wahrnehmung von Nebenwirkungen von 63,4%.

Fazit

Diese beiden Antidepressiva gehören zwei verschiedenen Familien an. Sie teilen jedoch einige gemeinsame Merkmale. Es handelt sich um Behandlungsarten, die auf die Neurotransmitter einwirken und so eine Veränderung der Stimmungslage ermöglichen (keine Auswirkung auf die Stimmungslage gesunder Personen).

Diese Medikamente haben durch ihre Wirkung viele Wechsel- und Nebenwirkungen. Deswegen sollte vor jeder Einnahme eines anderen Medikaments Ihr Arzt, Apotheker sowie Zahnarzt (mögliche Wechselwirkung mit Lokalanästhetika) über Ihre Behandlung mit Antidepressiva in Kenntnis gesetzt werden.

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Bis bald! 

Prenez soin de vous !


avatar Aurélien De Biagi

Autor: Aurélien De Biagi, Gesundheitsredakteur, Pharmaziestudent

Aurélien studiert im 5. Jahr Pharmazie an der Universität von Lothringen. Er schreibt Gesundheitsartikel für Carenity. Sein besonderes Interesse gilt den Bereichen Neuropsychiatrie und Herz-Kreislauf.

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