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Lockerung der Corona-Regeln - Wie kann man mit dem Coronavirus leben?

14.05.2020 • 1 Kommentar

Bei den Corona-Regeln gibt es in ganz Deutschland große Unterschiede und viele Menschen sind beunruhigt. Denn niemand ist Angesicht einer Krankheit gleich, das Immunsystem unterscheidet sich je nach Alter, genetischem Profil und Vorgeschichte. 

Was ist derzeit über das Virus bekannt? Wie können wir uns schützen? Sind Kinder stärker gefährdet? Wie können wir unseren Körper stärken? Wir ziehen Bilanz!

Lockerung der Corona-Regeln - Wie kann man mit dem Coronavirus leben?

Das Virus

Was sind die möglichen Symptome?

Die Liste der möglichen Symptome wird seit März immer länger. Die häufigsten Symptome sind: Kopfschmerzen, Fieber über 38,1°C, laufende Nase, Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Unwohlsein. Und jetzt auch: vorübergehender Geschmacks- und Geruchsverlust, Hautverletzungen, Bauchschmerzen mit Durchfall und Übelkeit. In den schwersten Fällen gibt es auch: Atembeschwerden, Lungenentzündung, Nierenversagen. Und auch Verwirrung, Enzephalitis, Schlaganfall, Bildung von Mikrogerinnseln.

Was ist bei Symptomen zu tun?

Setzen Sie sich bei Symptomen sofort mit Ihrem Arzt in Verbindung. Schwere Symptome erfordern eventuell einen Krankenhausaufenthalt.Eine Laboruntersuchung ist angezeigt, wenn ein begründeter Verdacht besteht, sich mit SARS-CoV-2 angesteckt zu haben.

Es gibt bislang weder spezielle Medikamente noch eine Impfung gegen SARS-CoV-2. Wer an dem Coronavirus mild erkrankt, sollte sich wie bei einer Erkältung verhalten: Ruhe und viel Schlaf tun gut. Symptome lassen sich nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gegebenenfalls mit Mitteln gegen Husten, Schnupfen und Fieber behandeln. Wer schwerer erkrankt, erhält wenn nötig Antibiotika, um bakterielle Zweitinfektionen abzuwehren, Sauerstoff, um das Atmen zu erleichtern, oder auch eine unterstützende Beatmung.

Wenn ich infiziert worden bin, bin ich dann immun?

Gegenwärtig ist noch nicht bekannt, ob die Antikörper wirklich protektiv sind. Bei einigen Personen könnte eine Infektion mit SARS (einem engen Cousin von Covid-19) beispielsweise eine erneute Infektion eher erleichtern als verhindern. Schließlich ist unter der Annahme, dass die Antikörper kompetent und in ausreichender Menge vorhanden sind, nicht bekannt, wie lange dieser Schutz andauern kann. Daher ist es unmöglich zu sagen, dass ein Covid-19 die Reinfektion verhindert.

Können Sie Ihre Immunität auf natürliche Weise stärken?   

Ja, durch Sport! Körperliche Aktivität stärkt die Immunität. Wenn wir trainieren, werden die Immunzellen mobilisiert, die weißen Blutkörperchen gelangen in die Blutbahn, um ihre Rolle als "Wächter" auszuüben. Wenn wir also jeden Tag 30 Minuten lang trainieren (1 Stunde bei Kindern und Jugendlichen), wird die Immunität aktiviert und gestärkt. Dies verringert das Risiko einer Komorbidität oder Infektanfälligkeit. Um die guten Bakterien der Mikrobiota zu stimulieren und ihre Immunität zu stärken, ist es auch ratsam, ausreichend Obst und Gemüse zu essen! 

Die nahe Zukunft

Wie können wir die Entwicklung der Übertragung des Virus verfolgen?

In Deutschland sind bisher insgesamt mehr als 3,1 Millionen Coronavirus-Tests durchgeführt worden. Davon sind ca. 197 100 positiv ausgefallen, wie das Robert Koch-Instituts (RKI) berichtet.
Die darin veröffentlichten Statistiken zeigen auch, dass die Kapazitäten zuletzt nicht ausgeschöpft wurden. 

Kann der Sommer die Zirkulation des Virus verlangsamen?

Laut Prof. Arnaud Fontanet, Epidemiologe am Institut Pasteur und Mitglied des wissenschaftlichen Rates, gibt es in Thailand und Kambodscha, die zu den ersten Ländern gehören, die nach China Fälle hatten, keine Krise wie in Europa. Und in Afrika scheint der Fortschritt derzeit ebenso langsam zu sein. Und im Labor ist das Virus genauso hitzeempfindlich wie SARS-CoV-1 hitze- und feuchtigkeitsempfindlich war. Es mag also einen saisonalen Effekt geben, aber mehr noch im Sommer 2021. Denn als ein Pandemievirus zum ersten Mal eintraf, wie es 2009 bei der Influenza A (H1N1) der Fall war, blieb das Virus während des Sommers aktiv. 

Müssen wir eine zweite Welle befürchten? 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet in der Corona-Krise fest mit weiteren Ansteckungswellen. "Das ist eine Pandemie. Und bei einer Pandemie wird dieses Virus so lange Krankheiten hervorrufen, bis 60-70% der Bevölkerung infiziert sind", sagt RKI-Präsident Lothar Wieler. Es werde "mit großer Sicherheit" eine zweite Welle geben, dessen sei sich die Mehrheit der Wissenschaftler sicher.
Viele gehen gar von einer dritten Welle aus, so Wieler. Deshalb werde auch die geplante App zur Kontaktnachverfolgung von Infizierten zu einem späteren Zeitpunkt noch gebraucht werden. Auch Charité-Virologe Christian Drosten warnte bereits vor einer neuen Welle, die Deutschland mit größerer Wucht treffen könnte als bisher.

Die Kinder

Warum reagieren Kinder besser als Erwachsene?

Auch Kinder können sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS CoV-2 anstecken und es verbreiten. Bisherigen Daten zufolge ist jedoch der Krankheitsverlauf von COVID-19 selbst bei Babys und Kleinkindern häufig geringer ausgeprägt und verläuft milder als bei Erwachsenen. Kranke Kinder sollen zu Hause bleiben und bei Bedarf ärztlich behandelt werden.

Wann kann ich mich wieder um meine Enkelkinder kümmern? 

Dr. Marie-Aliette Dommergues, Kinderärztin und Infektiologin, rät zu Vorsichtsmassnahmen, indem sie ein wenig Abstand hält, eine Maske trägt, sich die Hände wäscht und dem Kind beibringt, sich auch die Hände zu waschen. 

Die Forschung

Wann gibt es einen Impfstoff?

Weltweit sind etwa 120 Forschungsprojekte im Gange, insbesondere in den Vereinigten Staaten (33), China (27) und Kanada (11). "Natürlich sind bei der Entwicklung eines Impfstoffs mehrere Phasen zu beachten, aber noch nie sind wir in nur wenigen Monaten so schnell vorangekommen", erklärt Professor Anne-Geneviève Marcelin, Virologin am Pariser Krankenhaus Pitié Salpêtrière. Ein bis 2021 eingesetzter Impfstoff ist somit möglich.

Therapeutische Medikamente gegen die Coronavirusinfektion

Auch wenn die Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus rasch vorangeht, richten sich die Hoffnungen darauf, dass es noch schneller gelingt, Medikamente zur Behandlung bereits Infizierter zu finden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen insbesondere Arzneimittel, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind. Sie umzufunktionieren kann schneller gehen als eine Neuentwicklung.
Bei Covid-19 gehören diese Medikamente meist zu einer der folgenden vier Gruppen:

  • Antivirale Medikamente, die anfänglich gegen HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe, SARS oder MERS (zwei von anderen Coronaviren-Krankheiten) entwickelt wurden. 
  • Dämpfende Immunmodulatoren, die z. B. gegen Rheumatoide Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen entwickelt wurden. Sie sollen bei schwerem Lungenbefall die Abwehrreaktionen des Körpers so begrenzen, dass diese nicht noch mehr Schaden anrichten als das Virus selbst.
  • Medikamente für Lungenkranke, die z. B. gegen idiopathische Lungenfibrose entwickelt wurden. Sie sollen verhindern, dass die Lunge der Patienten das Blut nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann.
  • Herz-Kreislauf-Medikamente, die z. B. gegen Blutgerinnsel oder Herz-Rhythmus-Störungen entwickelt wurden. Sie sollen Komplikationen durch eine Covid-19-Erkrankung verhindern.

Dazu kommen noch Projekte für Neuentwicklungen von Medikamenten.

Die Solidarity-Studie

In dieser Studie, die die Weltgesundheitsorganisation WHO initiiert hat, sollen vier Behandlungen mit für eine Umfunktionierung in Betracht kommenden Medikamente untereinander und mit der reinen Grundbehandlung verglichen werden. In der Studie wird es also verschiedene Behandlungsarten geben, an denen voraussichtlich – randomisiert verteilt – mehrere Tausend Patienten teilnehmen werden.

An der Studie werden u.a. medizinische Einrichtungen in Argentinien, Brasilien, Kanada, Indonesien, Iran, Norwegen, Peru, Qatar, Schweiz, Spanien, Südafrika und Thailand, aber auch aus Deutschland mitwirken. Den deutschen Teil der Studie koordinieren das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL). Ausführliche Informationen zur Studie finden sich im ISRCTNregistry.

Die Discovery-Studie

Dieses umfangreiche medizinische Kooperationsprojekt, das am 22. März zwischen sieben europäischen Ländern gestartet wurde, sollte 4 Behandlungen (Hydroxychloroquin, Remedesivir, Lopinavir und Ritonavir) an 3.200 Patienten testen. Acht Wochen nach seiner Einführung stellte nur Frankreich 750 Patienten für klinische Studien vor. Für jede getestete Behandlung wären jedoch mindestens 600 Personen erforderlich. "Wenn die Europäer so schnell wie erwartet gearbeitet hätten, hätten wir Ergebnisse erzielt", so Prof. France Mentré, Epidemiologe und Leiter der Methodik bei Discovery. Sie stellt einen Mangel an "Koordination" und eine kontraproduktive Vervielfachung der Zahl der Prozesse auf der ganzen Welt fest. Dies ist der Fall von Italien und Spanien, die es vorzogen, an der Solidarity-Studie der WHO teilzunehmen. Es gibt also im Moment keine Ergebnisse, aber das wissen wir bereits von anderen klinischen Studien, die weltweit veröffentlicht wurden und die die gleichen Moleküle betreffen: Es gibt keine Wunderheilung. Das unabhängige Datenbewertungskomitee soll am 3. Juni erneut tagen.

Die Recovery-Studie

Eine weitere große Studie haben Mediziner der Universität Oxford in UK gestartet, genannt Recovery. Vorgesehen sind Behandlungen mit einer Grundbehandlung sowie mit HIV-Medikamenten, MS-Medikamenten, Cortison-Derivat und einem Malaria-Medikament.

Von den USA aus werden ebenfalls große klinische Studien zur Covid-19-Therapie mit ausgewählten Medikamenten organisiert, darunter der Adaptive COVID-19 Treatment Trial (ACTT), für den die National Institutes of Health (NIH) verantwortlich sind. Rund 75 medizinische Einrichtungen weltweit sollen daran mitwirken, auch in der EU und in UK. 


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Autor: Léa Blaszczynski, Online User Experience

Léa Blaszczynski ist derzeit Engagement Manager bei Carenity. Ihre Aufgabe ist es, Maßnahmen umzusetzen, um die Mitgliederbindung auf der Plattform zu stärken, die Funktionalitäten der Website zu verbessern und... >> Mehr erfahren

Kommentare

erika thoma
am 16.05.20

Ich finde diesen Artikel sehr gut nur finde ich man solch sich nicht zu sehr Aengstigen und Respeckt haben und die ganze Sache auch ernst nehmen aber man kann nicht mehr so in Isolation leben das macht mehr krank alls gesund das ist meine Meinung. Den im 1957 gab es schon einmal eine solche Ebdemie von einer Grippe mit Lungenentzündung wo man noch kein Medikament dafür hatte und da Starben mehrheitlich Junge Leute  und man hatte auch noch nicht so viele Hilfsmittel wie heute. Mein Vater Starb da mit nur 36 Jahren von 9 Kinder weg das vergiss ich nie .

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