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Polypharmazie: Was ist das und welches Risiko gibt es für unsere Gesundheit?

Veröffentlicht am 23.01.2022 • Von Courtney Johnson

Da die Zahl der älteren Menschen und die Zahl der jungen Menschen mit komplexen Gesundheitsproblemen in Deutschland steigt, wird Polypharmazie zu einem immer größeren Problem.

Aber was ist Polypharmazie? Was sind ihre Risiken und wie geht man damit um?

Wir verraten es Ihnen in unserem Artikel!

Polypharmazie: Was ist das und welches Risiko gibt es für unsere Gesundheit?

Was versteht man unter Polypharmazie?

Obwohl die Definition immer noch Gegenstand von Debatten ist, hat die medizinische Gemeinschaft Polypharmazie schließlich als die tägliche Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten durch eine Person definiert.

Die Prävalenz der Polypharmazie hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab (einschließlich der genauen Definition von Polypharmazie, der untersuchten Altersgruppe und des geographischen Gebiets), aber es wird in der Regek geschätzt, dass sie weiter ansteigt.

In vielen Ländern erhöht sich der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen, da die Generation der Babyboomer älter wird und die Lebenserwartung steigt, was zu einer Zunahme der Fälle von Polypharmazie beitragen kann.

Wann ist Polypharmazie von Vorteil? 

Polypharmazie kann sowohl in einer angemessen als auch in einer unangemessen Form eingesetzt werden. Während Polypharmazie häufig als negativ empfunden wird, kann die Verordnung mehrerer Medikamente akzeptabel und in vielen Fällen sogar therapeutisch vorteilhaft sein.

Angemessene Polypharmazie“ ist ein Begriff, der verwendet wird, um die Verordnung mehrerer Medikamente für mehrere oder komplexe Gesundheitsprobleme zu beschreiben, so dass nur die notwendigen Medikamente gemäß der besten Evidenz verwendet werden, um die Sicherheit und das Wohlergehen des Patienten zu wahren.

Diese Art der Polypharmazie ist bei bestimmten Erkrankungen klinisch indiziert. Häufig können bestimmte Medikamente bei gleichzeitiger Verordnung spezifische und gewollte positive Wechselwirkungen miteinander haben, wodurch eine stärkere Wirkung erzielt werden kann als mit einem einzelnen Medikament. Dies gilt insbesondere für die Bereiche der Schmerztherapie und Anästhesie, wo typische Schmerzmittel wie NSAIDs, Prostaglandinhemmer, Opioide und andere mit atypischen Medikamenten wie Muskelrelaxantien, Antiepileptika, Antidepressiva, NMDA-Antagonisten oder anderen Wirkstoffen kombiniert werden.

Zum Beispiel umfasst im ersten Jahr nach einem Myokardinfarkt (Herzinfarkt) ein typisches Behandlungsschema: einen Betablocker, ein Statin, einen ACE-Hemmer, Aspirin und einen Thrombozytenaggregationshemmer.

In jedem Fall sollte die Polypharmazie abgebrochen werden, wenn klar ist, dass die Vorteile der verschriebenen Medikamente die gesundheitlichen Risiken für den Patienten nicht mehr überwiegen.

Wann stellt die Polypharmazie ein Risiko für unsere Gesundheit dar? 

Auch wenn die Polypharmazie zwar oft klinisch notwendig ist, vor allem bei der Behandlung mehrerer chronischer Krankheiten, birgt sie dennoch mehrere Risiken.

Schlechtes Management der Medikamenteneinnahme

Die gleichzeitige Einnahme mehrerer unterschiedlicher Medikamente kann sowohl für den Patienten als auch für das Klinikpersonal problematisch sein.

Für Patienten kann das Management, die Organisation und die Einnahme mehrerer Medikamente schwierig durchzuführen sein und zu Fehlern bei der Aufbewahrung oder der Einnahme führen. Patienten, die mehrere verschiedene Medikamente einnehmen, können vergessen, diese einzunehmen, sie zur falschen Zeit einnehmen oder sie zu häufig einnehmen. Infolgedessen kann die Behandlung versagen, die Erkrankung kann sich verschlimmern, es können Arzneimittelreaktionen auftreten und der Patient muss ins Krankenhaus eingeliefert werden - alles lebensbedrohliche Situationen.

Für das medizinische Fachpersonal kann es schwierig sein, zu wissen oder den Überblick zu behalten, welche Medikamente der Patient bereits einnimmt, was zu Verschreibungsfehlern oder einer der oben beschriebenen Situationen führt.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Medikamente

Eine weitere Sorge bei Polypharmazie sind Nebenwirkungen. Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto höher ist das Risiko von Wechselwirkungen oder Reaktionen.

Zunächst einmal verlieren einige Medikamente an Wirksamkeit, wenn sie zusammen mit anderen Medikamenten verwendet werden, die ihre Wirkung beeinträchtigen. Dies wird als Arzneimittelwechselwirkung bezeichnet.

Zum anderen kann ein Medikament, das für eine Erkrankung oder ein Symptom verwendet wird, eine negative Wirkung auf eine andere Erkrankung oder ein anderes Symptom haben. Beispielsweise können einige entzündungshemmende Medikamente, die häufig als Schmerzmittel eingesetzt werden, den Blutdruck erhöhen und sich auf die Nierenfunktion auswirken. Sie sollten daher nicht für Personen mit Bluthochdruck oder Nierenproblemen verordnet werden.

Wie geht man mit Polypharmazie um? 

Die Einnahme von Arzneimitteln mehrere Rezepte und frei verkäuflichen Medikamenten kann überwältigend sein. Um Ihnen beim Umgang mit Polypharmazie zu helfen, hier einige nützliche Tipps:

  • Führen Sie eine genaue und aktuelle Liste aller Medikamente, die Sie einnehmen. Diese Liste sollte verschreibungspflichtige Medikamente, rezeptfreie Medikamente, pflanzliche Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel sowie deren Dosierung enthalten. Achten Sie darauf, dass Sie sie jedes Mal aktualisieren, wenn sich Ihre Rezepte ändern.
  • Vergewissern Sie sich, dass alle Ihre Ärzte und/oder Fachärzte über die Medikamente, die Sie einnehmen, Bescheid wissen, zudem und vor allem über frei verkäufliche Medikamente, Naturheilmittel oder Nahrungsergänzungsmittel.
  • Verstehen Sie, warum Sie jedes Ihrer Medikamente einnehmen. Zu verstehen, wofür die einzelnen Medikamente eingesetzt werden, kann Ihnen helfen, sich aktiv an Ihrer Behandlung zu beteiligen und diese besser zu managen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, auf welche Nebenwirkungen Sie achten sollten, oder fragen Sie ihn, ob bestimmte Symptome, die Sie verspüren, mit einer Nebenwirkung eines Medikaments zusammenhängen könnten.
  • Besprechen Sie von Zeit zu Zeit Ihre verordneten Medikamente mit Ihrem Arzt. Einige Erkrankungen oder Symptome können sich negativ auf Ihre Gesundheit und Ihre Lebensqualität auswirken. Es ist daher notwendig, diese durch eine angemessene Behandlung anzugehen. Andere Erkrankungen oder Symptome können sich jedoch nur geringfügig auf Ihre Gesundheit oder Ihre Lebensqualität auswirken, sodass Sie vielleicht ohne zusätzliche Medikamente auskommen können. Fragen Sie Ihren Arzt, ob bestimmte Medikamente nicht mehr notwendig sind, oder ob Änderungen Ihres Lebensstils (Diät, Bewegung, Gewichtsverlust, etc.), Ihnen dabei helfen können, diese abzusetzen.
  • Nehmen Sie Hilfsmittel oder Werkzeuge an, die Ihnen helfen, Ihre Medikamente richtig einzunehmen. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihre Medikamente richtig (d.h. zur richtigen Zeit, etc.) einzunehmen, bitten Sie Ihren Arzt, die Einnahme zu vereinfachen oder auf Medikamente umzusteigen, die weniger häufig eingenommen werden können. Um Ihnen dabei zu helfen, gibt es eine Reihe von virtuellen oder physischen Hilfsmitteln (Apps zur Erinnerung an Medikamente auf Smartphones, tägliche oder wöchentliche Pillendöschen, etc.), und Ihr Arzt kann Ihnen helfen, die für Sie besten Möglichkeiten zu ermitteln.



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avatar Courtney Johnson

Autor: Courtney Johnson, Gesundheitsredakteurin

Courtney ist Content Creator bei Carenity und konzentriert sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen Ernährung, Wellness und Psychologie.

Courtney hat einen... >> Mehr erfahren

Wer hat es korrigiert: Antoine Seignez, Pharmazeutischer Data Science Projektmanager

Antoine hat einen Doktortitel in Pharmazie sowie einen Doktortitel in Biowissenschaften mit Spezialisierung auf Immunologie. Er studierte an der Universität von Burgund. Mehrere seiner Arbeiten wurden in... >> Mehr erfahren

2 Kommentare


Karin66
am 26.01.22

Hallo Frau Johnson,

vielen Dank für die gute Aufklärung und vor allem die guten Tipps für die Einnahme von mehreren Medikamenten gleichzeitig!

Leider werden wirklich viel zu oft die sogenannten frei verkäuflichen OTC-Medikamente und auch sogenannte Nahrungsergänzungsmittel vergessen und auch von den Patienten bei den Ärzten nicht genannt. Dieser kann die Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten jedoch nur beurteilen, wenn er überhaupt erst davon weiß, dass noch andere Mittel genommen werden! Und selbst von verschiedenen Fachärzten gleichzeitig verordnete, rezeptpflichtige Medikamente sind oft nicht jedem einzelnen behandelnden Arzt bekannt - was aber eben immens wichtig ist. Hier hilft es wirklich nur, eine aktuelle Liste zu führen und diese wirklich auch mit jedem Arzt zu besprechen, der beteiligt ist.

Viele Grüße

Karin


Manuela56 • Botschafter-Mitglied
am 15.02.22

Guten Tag. Ich nehme ja auch verschiedene Medikamente. Ich hatte ja auch Probleme mit der Schilddrüse, die zwei Mal nach der OP nachgewachsen ist. Bei der 3. OP musste ich in die Uni-Klinik Homburg. Die Schilddrüse war hinter dem Brustbein nachgewachsen, zwischen 2 Blutgefäße, die zum Herzen führten. Wurde auch von einem Thoraxchirurgen operiert, wie bei einer Herzoperation. Das Brustbein musste aufgeschnitten werden und wurde nach der OP verdrahtet. Ich habe das gut überstanden und konnte nach 4 Wochen auch wieder arbeiten gehen. Sollte ich noch einmal eine Herzoperation benötigen, kann das nicht mehr durch das Brustbein erfolgen. Man müsste dann unter der linken Achsel zum Herzen kommen. Deshalb bekomme ich Betablocker und ein Blutdrucksenkendes Mittel. Der Blutdruck soll so niedrig sein, wie ich es vertrage. Für meinen Diabetes nehme ich auch Tabletten. 2 Mal im Jahr gehe ich zum Nephrologen. Und da wird sich immer beschwert, warum ich meine Medikamente immer über den Tag verteilt einnehme. Das soll ich alles auf einmal nehmen, am besten morgens, und gut ist es. Als ich dem Arzt dann sagte, meine Apothekerin hat mich darauf hingewiesen, dass man Betablocker und Blutdrucksenkende Tabletten einnehmen soll, weil die sich in der Wirkung beeinflussen, sagte er, was für ein Quatsch. Ich habe dann den Arzt gewechselt. Auch Schilddrüsentabletten wirken besser morgens, wenn man sie eine halbe Stunde vor dem Frühstück einnimmt. Übrigens wusste mein Hausarzt das auch nicht.

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