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Psychiater vs. Psychologe: Was ist der Unterschied und welcher ist für Sie richtig?

Veröffentlicht am 24.02.2021 • Von Courtney Johnson

Eine der schwierigsten Entscheidungen, die Sie auf dem Weg zur psychischen Gesundheit treffen müssen, ist die Entscheidung, Hilfe zu suchen. Aber wenn Sie den ersten Schritt getan haben, stehen Sie möglicherweise vor der nächsten Challenge: Zu wem sollten Sie gehen? Welchen Arzt sollten Sie aufsuchen?

Was ist ein Psychiater? Und was ist ein Psychologe? Inwiefern unterscheiden sie sich? Welcher ist der richtige für Sie?

Wir erklären Ihnen das alles in unserem Artikel!

Psychiater vs. Psychologe: Was ist der Unterschied und welcher ist für Sie richtig?

Viele Menschen verwenden fälschlicherweise die Begriffe Psychiater und Psychologe synonym. Obwohl beide Rollen ähnlich klingen, gibt es eine Reihe von wichtigen Unterschieden in Bezug auf Ausbildung, Training und Rolle der Behandlung.

Im Folgenden erklären wir Ihnen, was Sie wissen müssen, um zu entscheiden, welcher Arzt der richtige für Sie ist:

Inwiefern sind sich Psychiater und Psychologen ähnlich?

Psychiater und Psychologe sind in der Tat überlappende Berufe. Ärzte bei beiden Fachrichtungen - Psychiater und Psychologen - sind Spezialisten der psychischen Gesundheit, die ausgebildet sind, Patienten bei der Bewältigung von psychischen Problemen zu helfen. Beide studieren den Geist und, wie er unser Wohlbefinden und Verhalten beeinflusst. Psychiater und Psychologen arbeiten oft bei der Diagnose, Behandlung und Prävention von psychischen Krankheiten zusammen. Beide Ärzte müssen auf ihrem Gebiet zugelassen sein, um praktizieren zu dürfen, und widmen sich der Aufgabe, Menschen dabei zu helfen, die Mittel zur Optimierung ihrer psychischen Gesundheit zu finden.

Wie unterscheiden sich Psychiater und Psychologen?

Psychiater und Psychologen unterscheiden sich in zwei großen Bereichen: Ausbildung und Praxis.

Unterschiede in der Ausbildung:

Psychiater und Psychologe haben einen unterschiedlichen Bildungshintergrund sowie Ausbildung.

Psychiater sind Mediziner, die ihr Medizinstudium entweder mit einem Doktor der Medizin (Dr. med.) oder einem Doktor der osteopathischen Medizin (D.O.) abschließen. Nach ihrem Abschluss müssen sie eine Zulassungsprüfung bestehen, um ihn ihrem Land als Arzt praktizieren zu dürfen und anschließend eine fünfjährige Facharztausbildung absolvieren, während der sie sowohl im Krankenhaus als auch in der ambulanten Versorgung mit Patienten arbeiten. Während ihrer Assistenzzeit wenden Psychiater das an, was sie während ihrer Ausbildung gelernt haben, um richtig zu diagnostizieren und bestehende psychische Erkrankungen unter Verwendung von Therapie, Medizin und anderen Behandlungsarten richtig zu behandeln. Es wird sichergestellt, dass sie sich durchgehend über die Fortschritte bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen informieren, ihre Fachkenntnisse bewahren und die Standards der psychiatrischen Fachwelt erfüllen. Einige Psychiater absolvieren zusätzlich noch eine Ausbildung für ein Spezialgebiet, wie z.B.:

  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Gerontopsychiatrie
  • Forensische Psychiatrie
  • Schmerzmedizin
  • Suchtmedizin
  • Schlafmedizin

Psychologen hingegen absolvieren kein Medizinstudium und sind keine Ärzte. Stattdessen studieren sie an einer Hochschule Psychologie, um einen Abschluss als Dipl.-Psych. (Diplom-Psychologe), M.Sc. Psychologie (Master of Science) oder M.A. Psychologie (Master of Arts) zu erhalten. Diese Abschlüsse erfordern ein mindestens fünfjähriges Studium, gegebenenfalls auch noch eine Weiterbildung oder Zusatzausbildung mit anschließender staatlicher Zulassung, z.B. um Patienten behandeln zu können. Ähnlich wie Psychiater können sich Psychologen ebenfalls in Fachgebieten spezialisieren, so z.B. in:

  • Kinder- und Jugendpsychologie
  • Geropsychologie
  • Klinische Psychologie
  • Psychoanalyse
  • Neuropsychologie
  • Forensische Psychologie

Unterschiede in der Arbeitsweise:

Obwohl Psychiater als auch Psychologen normalerweise für die Durchführung von Psychotherapien (Gesprächstherapie, das Aufarbeiten der Probleme eines Patienten in Gesprächen) ausgebildet sind, haben sie aufgrund ihres unterschiedlichen Bildungshintergrundes und ihrer Ausbildung unterschiedliche Ansätze, psychische Erkrankungen anzugehen.

Psychiater sind darauf geschult, den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person zu beurteilen, um psychische Erkrankungen von anderen zugrundeliegenden Problemen zu unterscheiden, die psychiatrische Symptome verursachen können, wie z.B. Schilddrüsenprobleme oder Vitaminmangel. Sie überwachen auch, wie sich psychische Erkrankungen auf andere Erkrankungen auswirken (z.B. solche, die das Herz betreffen oder den Blutdruck) und wie sich Medikamente auf den Körper auswirken, einschließlich der Auswirkungen auf Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Leber- oder Nierenfunktionen und Schlaf. Wenn eine psychische Erkrankung festgestellt wurde, verschreibt der Psychiater oft Medikamente. In einigen Fällen reichen Medikamente zur Behandlung der Erkrankung aus, in anderen Fällen wird eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie benötigt. Der Psychiater kann die Psychotherapie durchführen, oder den Patienten an einen Psychologen oder anderes psychiatrisches Fachpersonal überweisen.

Psychologen verfolgen bei der Behandlung psychischer Probleme einen eher verhaltensbasierten Ansatz. Sie diagnostizieren psychische Erkrankungen anhand von Interviews, Tests, Umfragen und Patientenbeobachtungen, wobei sie Verhaltensweisen und Gewohnheiten (z.B. Ess- und Schlafgewohnheiten) sowie negative Denkprozesse des Patienten, die die Erkrankung verursachen oder zu ihr beitragen können, notieren. Psychologen behandeln Patienten oft durch eine Gesprächstherapie, bei der der Patient und der Therapeut über Probleme sprechen, um Symptome zu verstehen und Wege zu identifizieren, mit ihnen umzugehen. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine häufig angewandte Form der Gesprächstherapie und auf die Überwindung negativer Gedanken und Denkmuster fokussiert ist. Psychologen können in der Regel Patienten keine Medikamente verschreiben, sodass sie gegebenenfalls mit einem Psychiater zusammenarbeiten, um die psychische Erkrankung des Patienten umfassend zu behandeln.

Wie entscheidet man sich zwischen den beiden?

Die Wahl zwischen diesen beiden Experten hängen von Ihrer spezifischen Situation und Ihren Bedürfnissen ab.

Aufgrund der Fähigkeit, Medikamente zu verschreiben, könnte ein Psychiater die bessere Wahl bei komplexeren psychischen Erkrankungen sein oder solchen, die medikamentös behandelt werden müssen, wie z.B. schwere Depressionen, bipolare Störungen oder Schizophrenie.

Wenn Sie allgemein Schwierigkeiten bei der Arbeit oder in der Schule haben, oder sich darauf konzentrieren wollen, Ihre Verhaltensweisen und Denkprozesse zu verstehen, ist ein Psychologe, der in Gesprächstherapie ausgebildet ist, womöglich die bessere Wahl. In jedem Fall gilt: Wenn der Psychologe erkennt, dass Sie Medikamente benötigen oder, dass er/sie nicht behandeln kann, ist im Ethikkodex festgelegt, dass er/sie Ihren Fall an einen Psychiater weitergibt oder mit diesem zusammenarbeitet.

Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass die Behandlung vieler häufiger psychischer Erkrankungen wie Angst und Depression oft eine Kombination aus Medikamenten und Gesprächstherapie darstellt, sodass es hilfreich sein kann, beide Spezialisten aufzusuchen – einen Psychiater, der die medikamentöse Behandlung verwaltet, sowie einen Psychologen für Therapiestunden.

Welcher Arzt auch immer sich für Sie richtig anfühlt, es ist wichtig sicherzustellen, dass dieser Erfahrung in der Behandlung Ihrer psychischen Erkrankung hat, eine Art und Herangehensweise hat, mit der Sie sich wohlfühlen, und verfügbar ist - damit Sie in regelmäßigen Abständen behandelt werden können, ohne warten zu müssen.


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Autor: Courtney Johnson, Gesundheitsredakteurin

Courtney ist Content Creator bei Carenity und konzentriert sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen Ernährung, Wellness und Psychologie.

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