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Fibromyalgie: Welche medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Veröffentlicht am 16.11.2021 • Von Claudia Lima

In Deutschland sind 1-2% der Bevölkerung von Fibromyalgie betroffen. Diese chronische Erkrankung hat starke Auswirkungen auf die Lebensqualität sowie auf soziale und berufliche Aktivitäten.
Ungefähr 80% der Betroffenen sind Frauen.
Die Diagnose ist schwierig und die betroffenen Patienten haben oft einen langen medizinischen Irrweg vor sich.
Aber welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Fibromyalgie? Muss sie unbedingt mit Medikamenten behandelt werden?

Wenn Sie mehr wissen wollen, lesen Sie unseren Artikel!

Fibromyalgie: Welche medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die seit 1992 von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) anerkannt wird. Sie charakterisiert sich im Wesentlichen durch diffuse und anhaltende Muskelschmerzen, verbunden mit starker Müdigkeit und Schlafstörungen. Die Diagnose ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sehr umstritten, da die Symptome sehr unterschiedlich sind, die Mediziner zögern und es mit den heutigen Untersuchungstechniken nicht möglich ist, physische Anomalien zu erkennen.

Was sind die Symptome und Ursachen der Fibromyalgie? 

Die Personen, die an dieser Erkrankung leiden, klagen darüber, dass es überall wehtut, und Schmerzen sind das Hauptsymptom. Die Intensität variiert je nach Tageszeit, Stressniveau, Emotionen und körperlicher Aktivität. 

Die häufigsten Symptome sind:

  • Chronische Muskelschmerzen
  • Starke Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
  • Überempfindlichkeit gegen Berührung, Lärm, Licht, Geruch, Kälte, Wärme
  • Emotionale Störungen (Angstzustände, Depressionen)
  • Migräne
  • Störungen des Darms und der Harnwege

Die Ursachen für das Auftreten von Fibromyalgie sind noch immer nicht wirklich bekannt. Es gibt keine sichtbaren Läsionen der Muskeln, die die Schmerzen erklären könnten. Die Diagnosekriterien beruhen daher auf den Symptomen und basieren auf einer Klassifizierung mit 18 Tender Points. Häufig werden jedoch verschiedene psychische und physische Faktoren als Auslöser angesehen, wie Stress, Trauerfälle, Unfälle, wiederholte Belastungen, etc.

Eine Ursache für die Schmerzempfindlichkeit ist, dass die „Schmerzzentren“ im Gehirn von Fibromyalgie-Patienten nicht richtig funktionieren und schmerzhafte Empfindungen als intensiver interpretieren, als sie tatsächlich sind

Obwohl die Fibromyalgie keine schwere oder tödliche Krankheit ist, ist ihr Einfluss auf das tägliche Leben entscheidend. Die Erkrankten sind sozial und beruflich stark eingeschränkt, sie isolieren sich und entwickeln depressive Störungen.

Die damit verbundenen Schmerzen sind oft schwer zu bewältigen, weil es an einer Diagnose oder einer angemessenen Behandlung mangelt, aber wie kann man mit dieser Erkrankung umgehen? Wie kann sie behandelt werden?

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten bei Fibromyalgie? 

Die Behandlung der Fibromyalgie zielt darauf ab, das Schmerzsyndrom zu lindern, die empfundene Müdigkeit zu verringern, den Schlaf zu verbessern und die Auswirkungen der Krankheit auf den Alltag zu reduzieren. Der Rat eines Facharztes, eines Rheumatologen, ist notwendig.

Aufgrund der Heterogenität der Symptome profitiert jeder Patient von einer angepassten Behandlung. 

Nicht-medikamentöser Ansatz

Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten werden bevorzugt und ein Ansatz ist besonders empfehlenswert. Dabei handelt es sich um APA, kurz für angepasste körperliche Aktivität, die aus Übungen besteht, die an die Fähigkeiten des jeweiligen Patienten angepasst sind. Diese sind wirksam gegen Schmerzen, steigern das Wohlbefinden und haben keine Nebenwirkungen. Beispiele hierfür sind: Stretching, Schwimmen, Radfahren, ...

Es werden auch andere Praktiken empfohlen, wie meditative Bewegungsübungen (Yoga, Tai Chi, Qi Gong, etc.) sowie auch Meditation, Akupunktur und Thermalkuren. Sie sollen einen positiven Einfluss auf den Schlaf und die Lebensqualität haben.

Als Zweitlinientherapie wird auch eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen, um schmerzhafte Symptome, Behinderungen und Stimmungsstörungen langfristig zu verringern.

Wenn der nicht-medikamentöse Ansatz nicht wirksam ist, wird eine medikamentöse Behandlung angeboten.  

Medikamentöser Ansatz

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Medikamente zur Behandlung der Fibromyalgie.

Die Medikamente werden somit verordnet, um die Symptome der Schmerzen und depressiven Störungen zu lindern. Sie dürfen jedoch nur punktuell eingesetzt werden und eine Wirksamkeit kann nicht bei allen Patienten beobachtete werden. Darüber hinaus haben einige von ihnen zahlreiche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Gewichtszunahme und in den schwersten Fällen Magenblutungen und Geschwüre. 

Wichtig zu wissen: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) werden nicht empfohlen, da sie bei der Behandlung der Fibromyalgiesymptome unwirksam sind.

Analgetika wie Paracetamol in Kombination mit Kodein oder Koffein oder Analgetika der Stufe II wie Tramadol® zur Schmerzlinderung sind nur als letzter Ausweg und unter Überwachung des Abhängigkeitsrisikos zu verwenden. 

Antiepileptika zur Schmerzlinderung (Pregabalin oder Gabapentin) wie Neurontin®, Lyrica® oder Topamax® können bei neuropathischen Schmerzen wie Brennen, Kribbeln, Stromstößen, etc. verschrieben werden.

Es können niedrig dosierte oder doppelt wirkende Antidepressiva (Duloxetin oder Amitryptilin) wie Cymbalta® oder Laroxyl® verschrieben werden. Dabei handelt es sich um Serotonin-, Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Sie verbessern den Schlaf, reduzieren Angstzustände, Migräne und einige der Verdauungsbeschwerden. Andere Arten von Antidepressiva werden nicht empfohlen, da sie unwirksam sind.

Muskelrelaxantien wie Flexeril® sind nützlich zur Linderung von Muskelschmerzen

Lokalanästhetika wie Lidocain werden manchmal in einen besonders empfindlichen Bereich injiziert, um die Schmerzen zu lindern.

Die nichtinvasive Neurostimulation (transkranielle Magnetstimulation) wird in einigen Schmerzbehandlungszentren ausgearbeitet. Aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse müssen Studien durchgeführt werden, um ihre Wirksamkeit zu bewerten.

Wie kann die Betreuung verbessert werden? 

Die Betreuung von Fibromyalgie-Patienten muss auf einem multidisziplinären Ansatz beruhen, d.h. es müssen mehrere Personen aus verschiedenen Berufsgruppen beteiligt sein, um die Unterstützung des Patienten zu optimieren. Es muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Betreuern und Patienten aufgebaut werden, um Bedenken und Zweifel zu zerstreuen, insbesondere bei denjenigen, die von Fehldiagnosen betroffen sind.

Patientenverbände bieten den Betroffenen ein offenes Ohr, Austausch und gegenseitige Unterstützung: Deutsche Rheuma-Liga, Deutsche Fibromyalgie Vereinigung, Fibromyalgie-Liga Deutschland und natürlich Carenity.

Die Fibromyalgie-Forschung hat zu zahlreichen Fortschritten bei dieser keineswegs seltenen Krankheit geführt, und viele Studien sind im Gange, um wirksame Heilmittel zu finden.

Ein französisches Forschungsprogramm namens Fibromy’activ, das von Dr. Stéphanie Ranque-Garnier durchgeführt wird, hat gezeigt, dass „körperliche Aktivität, wenn sie gut angepasst ist, im besten Fall die schmerzhaften Symptome verbessert und im schlimmsten Fall nicht verschlimmert, sondern fast systematisch und sofort die Stimmung, die Konzentration und die Müdigkeit am Ende der Sitzung verbessert.“ Dies wirkt sich auf die Verringerung der Medikamenteneinnahme, die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und eine verbesserte Rückkehr an den Arbeitsplatz aus.

Die Studien werden fortgesetzt und es zeichnen sich erste genetische Profile ab. Für die Forscher, die sich mit diesem Thema befassen, besteht eines der Ziele auch darin, einen echten Biomarker für die Erkrankung zu erhalten, um die Wirksamkeit jeder geplanten neuen Therapie objektiv beurteilen zu können.


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avatar Claudia Lima

Autor: Claudia Lima, Gesundheitsredakteurin

Claudia ist Content Creator bei Carenity und hat sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln spezialisiert.

Claudia hat einen MBA in Vertriebs- und Marketingmanagement und bildet sich im Bereich Digital... >> Mehr erfahren

Wer hat es korrigiert: Charlotte Avril, Pharmazeutin, Data Scientist

Charlotte ist promovierte Pharmazeutin und hat einen Master-Abschluss in Pharma- und Biotechnologiemanagement von der ESCP. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen E-Health, Health Tech, seltene Krankheiten und... >> Mehr erfahren

1 Kommentar


Borkie
am 03.12.21

Schöner artikel. Leider ist die Krankheit doch komplexer ich bin eine Betroffene. Es ist ein schwer zu durchbrechender Alltag wenn fast nur der Körper im Vordergrund steht. Aber man findet Mittel und Wege, muss sich viel umgewöhnen und das Umfeld sensibilisieren weil es auf die Frage geht's dir heute wieder besser keine Antwort gibt. Es schwankt und wechselt den ganzen Tag am gesamten Körper. Und darauf grossteils mit Unverständnis reagiert wird weil man die Krankheit nicht sieht ist Emphatie schnell vorbei . Kannst dich ja danach ausruhen wenn du so kaputt bist,ähm, kaputt war ich schon vorher, es muss erstmal zum danach führen, Treffen, Termine verschieben und doch absagen müssen da ist der Kreis im Umfeld schnell kleiner. Verständnis zeigen und ernst nehmen ist das wichtigste von Anfang an bei dieser Krankheit, Geduld auch ansonsten schwindet das Vertrauen egal in was oder wen. LG weiter so Nadine

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