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Multiple Sklerose: Welche Formen der Erkrankung gibt es?

Veröffentlicht am 30.05.2022 • Von Candice Salomé

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem befällt und zu motorischen, sensiblen, visuellen, kognitiven oder Sphinkter-Störungen führt. 

In Deutschland gibt es mehr als 120 000 Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind.

Man unterscheidet drei Haupttypen der Multiplen Sklerose, die jeweils von Patient zu Patient stark variieren.

Was sind die verschiedenen Formen von Multipler Sklerose? Welche Symptome haben sie und wie entwickeln sie sich? 

Wir verraten es Ihnen in unserem Artikel!

Multiple Sklerose: Welche Formen der Erkrankung gibt es?

Multiple Sklerose tritt in verschiedenen Formen auf, die sich dadurch unterscheiden, wie schnell die Erkrankung voranschreitet und ob es Schübe gibt oder nicht.

Grundsätzlich werden drei Formen der Multiplen Sklerose unterschieden. Jede dieser Formen kann sich von Patient zu Patient stark unterscheiden.

Die schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS)

Die schubförmig remittierende Form betrifft 85% der Patienten zu Beginn der Erkrankung. Am häufigsten sind junge Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren betroffen, wobei das Verhältnis 3 Frauen zu 1 Mann beträgt. 

Diese Form der Multiplen Sklerose zeichnet sich durch akute, aber seltene Schübe mit Intervallen von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren aus, die von Perioden vollständiger (ohne jegliche Symptome) oder teilweiser Remission unterbrochen werden. Die Erholung zwischen den Schüben kann vollständig sein oder es können anhaltende Beschwerden zurückbleiben.

Die Schübe der schubförmig remittierenden Form können einige Stunden bis einige Tage andauern.

Häufig auftretende Symptome während eines RRMS-Schubs sind:

  • Müdigkeit
  • Taubheitsgefühl
  • Störungen des Sehvermögens
  • Spastik oder Steifheit
  • Darmprobleme
  • Blasenprobleme

RRMS erfordert eine umfassende Behandlung, die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien wie Rehabilitation, Schmerztherapie, Spastik, ... umfasst. Basistherapien können die Häufigkeit der Schübe verringern und das Fortschreiten der Behinderung verlangsamen.


Die sekundär progrediente Form der Multiplen Sklerose (SPMS)

In 50% der Fälle entwickelt sich die schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS) innerhalb von 5 bis 20 Jahren zu einer sekundär progredienten Form (SPMS). Die sekundäre Form zeichnet sich durch ein kontinuierlicheres Fortschreiten der Erkrankung aus, bei dem die Schübe weniger häufig auftreten. Die Erkrankung schreitet mit oder ohne Schübe fort und führt zu einer allmählichen Verschlechterung der neurologischen Beeinträchtigung und der Behinderung.

Die Anzeichen für den Übergang von RRMS zu einer sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) sind subtil und schwer zu erkennen, da sie von Tag zu Tag variieren, es kürzere oder längere Phasen der Stabilität gibt, die als „Plateaus“ bezeichnet werden, die symptomatische Behandlung Auswirkungen hat und die klinischen Anzeichen interpretiert werden müssen.

Die Diagnose der sekundär progredienten Multiplen Sklerose wird häufig erst spät gestellt. Aus den oben genannten Gründen und aufgrund fehlender validierter biologischer oder bildgebender Progressionsmarker erleben die Patienten in der Regel eine Phase der Ungewissheit von etwa drei bis vier Jahren.

Jedoch werden derzeit neue Ansätze für Patienten mit RRMS angeboten, die eine frühere Erkennung einer Progression zu einer SPMS und damit eine optimale Behandlung der Erkrankung ermöglichen sollen.

Die häufigsten Symptome, die auf eine fortschreitende Multiple Sklerose hinweisen können, sind:

  • Das Auftreten oder die Verschlimmerung von Gang- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Muskelschwäche
  • Störungen der Sinneswahrnehmung
  • Kognitive oder visuelle Störungen
  • Probleme beim Wasserlassen

Um den Übergang zur SPMS zu erkennen, muss das medizinische Fachpersonal unbedingt nachforschen, indem sie dem Patienten sehr genaue Fragen zu seinem neurologischen Zustand und seiner Funktionsweise im Alltag stellen, auch die pflegenden Angehörigen befragen und eine klinische Untersuchung mit objektiven Tests (Gehtests oder Untersuchungen zur Beeinträchtigung) durchführen, die dann mit früheren Checks ups verglichen werden können. 

Die primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS)

Die primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS) tritt bei 10-15 % der Patienten zu Beginn der Erkrankung auf. Diese seltenere Form tritt um das 40. Lebensjahr herum auf und betrifft Frauen und Männer gleichermaßen

PPMS ist eine behindernde Form der Erkrankung, die durch eine regelmäßige Verschlechterung der Symptome gekennzeichnet ist. Sie verläuft in der Regel ohne deutliche Schübe oder Remissionsphasen. In seltenen Fällen kann es bei einigen Patienten dennoch zu Schüben kommen.

Die primär progrediente Multiple Sklerose führt tendenziell zu einer stärkeren Behinderung als die schubförmig remittierende Multiple Sklerose. Tatsächlich ist das Auftreten einer irreversiblen Behinderung bei dieser Form der MS doppelt so hoch wie bei der RRMS. Das bedeutet, dass Patienten mit PPMS häufig häufiger auf Mobilitätshilfen und Rollstühle angewiesen sind.

Zu den häufigsten Symptomen der PPMS gehören:

  • Progressive generalisierte Schwäche
  • Probleme mit der Beweglichkeit
  • Und Spastik

Diese Symptome sind nicht spezifisch für PPMS, aber sie sind langwieriger und schwieriger zu behandeln als bei anderen MS-Formen. 

Unabhängig von der Art der MS gibt es Kriterien, anhand derer die Krankheitsaktivität definiert und der Krankheitsverlauf verfolgt werden kann. Das Auftreten von Schüben, der Anstieg des EDSS-Scores (Score zur Bewertung der Behinderung) und das Auftreten neuer Läsionen, die im MRT sichtbar sind, werden als Marker für die Krankheitsaktivität anerkannt. Bei Patienten mit PPMS kann es auch zu kognitiven Störungen und Sprachstörungen kommen, was bei Patienten mit RRMS selten ist.

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Quelle: Multiple Sklerose, Pflege.de

Eine regelmäßige Überwachung der Krankheitsaktivität ist unerlässlich, um eine angemessene Behandlung vorzuschlagen, den Krankheitsverlauf zu kontrollieren und das mögliche Auftreten von Beeinträchtigungen zu verzögern.


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Autor: Candice Salomé, Gesundheitsredakteurin

Candice ist Content Creator bei Carenity und hat sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln spezialisiert. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen Psychologie, Wellbeing und Sport. 

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Wer hat es korrigiert: Antoine Seignez, Pharmazeutischer Data Science Projektmanager

Antoine hat einen Doktortitel in Pharmazie sowie einen Doktortitel in Biowissenschaften mit Spezialisierung auf Immunologie. Er studierte an der Universität von Burgund. Mehrere seiner Arbeiten wurden in... >> Mehr erfahren

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