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Welche Gefahren können sich in Ihrem Medizinschrank verbergen?

Veröffentlicht am 31.08.2021 • Von Aurélien De Biagi

Auch wenn einige Arzneimittel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, handelt es sich dennoch um Behandlungsmöglichkeiten, die Moleküle mit Nebenwirkungen enthalten, welche manchmal gefährlich für die Gesundheit des Patienten sind. In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Risiken aufzeigen, die mit der Einnahme von Paracetamol, Oxomemazin und Pseudoephedrin verbunden sind.


Welche Gefahren können sich in Ihrem Medizinschrank verbergen?

Welche Risiken bestehen bei einer Überdosierung von Paracetamol?

Paracetamol ist eines der am häufigsten verwendeten Analgetika und Antipyretika in Deutschland. Es handelt sich jedoch nicht um ein risikofreies Produkt. In der Tat wird Paracetamol, sobald es sich im Körper befindet, verstoffwechselt. Eines seiner Metaboliten (Ergebnis des Stoffwechsels) ist jedoch aktiv und giftig für die Leber. Unser Körper kann diese Toxizität dank Glutathion bekämpfen. Leider dauert es lange, bis Glutathion gebildet werden kann, und es ist in unserem Körper nur in geringen Mengen vorhanden. Deswegen ist es wichtig, dass die Höchstdosis eingehalten wird. Zudem ist Paracetamol nicht nur in Arzneimitteln enthalten, die allein dieses Molekül enthalten. Es befindet sich auch in vielen anderen Arzneimitteln, einschließlich anderer Schmerzmittel wie:

  • Dolevar oder Zaldiar, in Kombination mit Tramadol
  • Prontopyrin, in Kombination mit Koffein
  • Duoval, in Kombination mit Ibuprofen 
  • Buscopan Plus, in Kombination mit Butylscopolamin
  • Contraneural, in Kombination mit Codein

Paracetamol ist auch in Erkältungsmedikamenten enthalten, wie z.B.:

  • Grippostad, in Kombination mit Chlorphenamin hydrogenmaleat, Koffein und Ascorbinsäure
  • Doregrippin, in Kombination mit Phenylephrin hydrochlorid

Es ist daher Vorsicht bei der Einnahme von Arzneimitteln mit Paracetamol geboten, damit die zulässige Tagesdosis nicht überschritten wird.

Eine Paracetamol-Vergiftung beginnt mit einer Gastroenteritis in den ersten Stunden und einer Leberschädigung in den darauffolgenden Tagen. Wenn Sie diese Symptome haben, rufen Sie die Notaufnahme an.

Was sind die Risiken bei der Einnahme von Oxomemazin?

Bei Erwachsenen ist Husten eine physiologische Reaktion auf eine Reizung der Atemwege. Er ist nützlich und ermöglicht es, die Bronchien zur Erleichterung des Atmens zu befreien. Es gibt zwei Arten von Husten: schleimiger Husten (mit Schleimbildung) und trockener Husten (ohne Schleimbildung). Trotz seiner Nützlichkeit kann Husten schnell anstrengend werden, besonders wenn er nachts auftritt.

Bei trockenem Husten werden Antihistaminika zur Hustenunterdrückung eingesetzt (wie z.B. Toplexil in der Schweiz und Frankreich). Der Wirkstoff (das Molekül, das dem Medikament seine therapeutische Wirkung verleiht) dieser Arzneimittel ist Oxomemazin. Dieses Molekül gehört zur Familie der Phenothiazine. Es hat sedierende und atropinähnliche Eigenschaften und viele damit verbundene Nebenwirkungen.

Oxomemazin ist in den folgenden Fällen kontraindiziert:

  • Agranulozytose in der Vorgeschichte (Verschwinden von Granulozyten, einer Art von Immunzellen)
  • Risiko eines Engwinkelglaukoms
  • Risiko eines Harnstaus aufgrund eines Prostataadenoms
  • Bei Kindern unter zwei Jahren

Als Beruhigungsmittel kann Oxomemazin Schläfrigkeit verursachen. Dies kann gefährlich sein, vor allem, wenn sich der Patient in einer Situation befindet, die seine Aufmerksamkeit erfordert. Daher wird vom Autofahren und dem Einsatz gefährlicher Maschinen dringend abgeraten. Darüber hinaus können diese Medikamente aufgrund ihrer atropinähnlichen Eigenschaften Mundtrockenheit, Akkodomationsstörungen („Scharfstellen“ der Augen), Verstopfung, Harnstau und Herzklopfen verursachen.

Andere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Schwindel
  • Orthostatische Hypotension (Blutdruckabfall beim Stehen)
  • Zittern
  • Schlechte Koordinierung der Bewegungen
  • Verwirrung
  • Erregung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Oxomemazin für ein Hustenmittel viele Nebenwirkungen hat.

Was sind die Risiken bei der Einnahme von Pseudoephedrin?

Pseudoephedrin ist ein gefäßverengendes und abschwellendes Molekül. Dies bedeutet, dass es die Blutgefäße verengt. Darüber hinaus wird die Blutzufuhr zu einem Organ verringert. Arzneimittel auf Basis von Pseudoephedrin sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und dienen der Behandlung von Erkältungen.

Jedoch kann dieses Molekül erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen, darunter kardiovaskuläre und neurologische, die unter Umständen tödlich sein können. Vasokonstriktoren können in der Tat einen Anstieg der Herzfrequenz verursachen. Darüber hinaus kann diese Behandlungsmöglichkeit auch zu Übelkeit und Herzklopfen führen. Pseudoephedrin kann, inbesondere bei einer Überdosierung, ebenfalls schwerwiegende neurologische Auswirkungen wie Krämpfe, Halluzinationen und Erregung hervorrufen.

Daher sollten nie zwei Arzneimittel, die dieses Molekül enthalten, kombiniert werden. Darüber hinaus sollte Pseudoephedrin nicht von Patienten eingenommen werden, die an folgendem leiden:

  • Leberversagen
  • Engwinkelglaukom
  • Krampfanfälle in der Vorgeschichte  
  • Schlaganfälle in der Vorgeschichte
  • Antidepressiva aus der Familie der MAOI
  • Schwere Koronarinsuffizienz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es viele rezeptfreie Arzneimittel der Selbstbehandlung von Schmerzen oder kleineren Erkrankungen gibt. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Behandlungsmöglichkeiten sicher sind. Die empfohlenen oder in der Packungsbeilage angegebenen Höchstdosen müssen immer eingehalten werden.

Vor der Einnahme eines Medikaments ist es ratsam, seinen Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen und den Gesundheitszustand sowie die eingenommenen Arzneimittel anzugeben.

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