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Eine neue Praxis zur Vermeidung von Medikationsfehlern selbst während eines Krankenhausaufenthalts

20.08.2019

Alizé ist Data Analyst-Trainee bei Carenity und studiert im fünften Jahr Pharmazie an der Universität von Lyon. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Abstimmung von Medikamentenbehandlungen für Krebspatienten im Krankenhaus. Für die Carenity-Mitglieder erklärt sie sich bereit, diese Praxis zu erklären, die sich im Interesse aller Patienten entwickelt.

Eine neue Praxis zur Vermeidung von Medikationsfehlern selbst während eines Krankenhausaufenthalts

Die Abstimmung von medikamentösen Behandlungen könnte zum neuen Verbündeten für Patienten mit chronischen Krankheiten werden! Hinter diesem komplizierten Ausdruck verbirgt sich eine Praxis, die noch nicht weit verbreitet, aber sehr nützlich für die Verbesserung der Patientenversorgung ist. Ihr Ziel? Die Überprüfung, ob dem Patienten in jeder Phase des Pflegeprozesses die richtigen Behandlungen verschrieben werden, um Medikamentenfehler zu vermeiden. Die Abstimmung ist besonders nützlich, wenn der Patient ins Krankenhaus kommt oder es verlässt, da er alltäglich nicht von den gleichen Ärzten behandelt wird.

Richtige Informationen innerhalb des medizinischen Fachpersonals austauschen

Dieser Ansatz wurde erstmals 2006 von der Weltgesundheitsorganisation erwähnt. Gemäß der offiziellen Definition zielt er darauf ab, die Übermittlung und den Austausch vollständiger und genauer Informationen über die Behandlung von Patienten zwischen Angehörigen des medizinischen Fachpersonals zu fördern (1). Durch den Austausch der richtigen Informationen kann das medizinische Fachpersonal Medikationsfehler identifizieren und vermeiden. Rezepte können komplex sein, wenn ein Patient mehrere Medikamente pro Tag einnehmen muss! Die Abstimmung ermöglicht es somit, die Kontinuität der Behandlung zu gewährleisten und die Versorgung zu sichern. Es besteht ein geringeres Risiko, dass ein Fehler oder ein Versäumnis Ihre Verschreibung oder Ihre Betreuung und Nachsorge im Krankenhaus stört.

Fehler zwischen verschiedenen Rezepten korrigieren

Nehmen wir das konkrete Beispiel eines Patienten, der im Krankenhaus aufgenommen wird. Der Stationsapotheker kann beschließen, eine Koordinierung durchzuführen, um das Management dieses Patienten zu gewährleisten. Dazu muss er mindestens drei verschiedene Quellen befragen, wie den Patienten selbst, seinen Hausapotheker, seinen behandelnden Arzt, seine Pflegekräfte und Fachärzte... Die Abstimmung ermöglicht es, die vom Patienten eingenommenen und einzunehmenden Behandlungen so umfassend wie möglich zu überprüfen. Der Stationsapotheker vergleicht diesen Befund mit dem Rezept, das der Krankenhausarzt bei der Aufnahme im Krankenhaus ausgestellt hat. So kann er mögliche unbeabsichtigte Änderungen durch den Krankenhausarzt erkennen und Empfehlungen für ein optimales Patientenmanagement abgeben.

Wo wird die Abstimmung der medikamentösen Behandlungen durchgeführt?

Die Koordination kann also im Krankenhaus, aber auch außerhalb durchgeführt werden. Es geht darum, die Verbindung zwischen den verschiedenen an der Versorgung eines Patienten beteiligten Vertretern des medizinischen Fachpersonals herzustellen und die Verbindung mit dem Krankenhaus herzustellen: Die Abstimmung findet oft zu Beginn eines Krankenhausaufenthaltes statt, um sicherzustellen, dass die Versorgung des Patienten während seiner Genesung angemessen ist.

Das gesamte medizinische Fachpersonal (Arzt, Apotheker, Hebamme...) kann die Abstimmung von Arzneimittelbehandlungen durchführen. Dennoch handelt es sich um eine zeitaufwendige Tätigkeit, die noch nicht sehr weit verbreitet ist. An der Erprobung dieser Praxis nahmen insbesondere Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten und Frankreich teil.

Kann ich von einer Abstimmung der medikamentösen Behandlungen profitieren?

Theoretisch kann jeder Patient von der Koordination profitieren. Da es jedoch zeitaufwändig ist, sind Patienten mit dem höchsten Risiko für Medikationsfehler vorrangig. Diese Patienten haben oft mehrere Krankheiten und nehmen eine große Anzahl von Medikamenten pro Tag ein: Sie sind diejenigen, die am meisten eine Abstimmung brauchen.

Es ist noch nicht möglich, direkt eine Abstimmung der Arzneimittelbehandlungen zu beantragen, aber die Praxis wird immer häufiger. In Kanada zum Beispiel profitieren fast alle Krankenhauspatienten von der Abstimmung. Es ist zu hoffen, dass Deutschland sich von diesen Techniken inspirieren lassen wird, um sicherzustellen, dass möglichst viele Patienten von ihnen profitieren.

Der Patient als wichtigste Informationsquelle

Während der Abstimmung ist es für den Krankenhausapotheker oder anderes medizinisches Fachpersonal wichtig, gültige Informationen sammeln zu können. Um im Falle einer Befragung zur Abstimmung Ihrer Behandlungen zuverlässige Informationen geben zu können, müssen Sie daher mit den Behandlungen vertraut sein, die Sie täglich nehmen. Zumindest ist es wichtig, dass Sie Ihre gültigen Rezepte immer zu behalten, um sie vorlegen zu können. Im Allgemeinen sollten Sie Ihre aktuellen Gesundheitsdokumente bei sich haben, wenn Sie Termine vereinbaren oder ins Krankenhaus gehen.

Kennen Sie diese Praxis und haben Sie bereits davon profitiert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit möglichen Arzneimittelfehlern im Kommentar!


Der Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Alizé Vives geschrieben.


Alizé Vives

Alizé studiert im fünften Jahr Pharmazie an der Universität Lyon und möchte für die Pharmaindustrie arbeiten. Derzeit ist sie Data Analyst bei Carenity und hat ihre Pharmazie-Praxisarbeit auf der Grundlage der Studie verfasst, die sie während ihres Praktikums im Krankenhaus durchgeführt hat. Ihre Arbeit Die Umsetzung der Abstimmung von Arzneimittelbehandlungen bei Krebspatienten unterstreicht die Bedeutung der Koordination, um die Sicherheit des Arzneimittelmanagements der Patienten zu gewährleisten. Die Ergebnisse der Arbeit von Alizé wurden auf dem 2. Tag der Klinischen Pharmazie in der Onkologie in Lyon vorgestellt. In Kürze soll auch eine wissenschaftliche Publikation erscheinen.

avatar Louise-B

Autor: Louise-B, Content & Community Manager

Louise ist Community Managerin von Carenity in Frankreich und Chefredakteurin des Gesundheitsmagazins. Sie bietet allen Mitgliedern Artikel, Videos und Erfahrungsberichte. Ihr Ziel ist es, die Stimme der Patienten zu transportieren und ihre Erfahrungen auf der Website zu verbessern.

Kommentare

am 20.08.19

Das ist ein sehr interessantes Thema.Wir nutzen regelmässsig in meiner Klinik eine webseite um festzustellen ob die Medikamente sich vertragen oder halt nicht.

Wenn die Patienten Nebenwirkungen schildern schauen wir sofort und gehen auf den Patienten ein.

Es ist ein sehr wichtiges Thema was alle Betroffenen angeht.Viele nehmen einfach die Medikamente die verordnet werden und schauen nicht ob sie alle zusammen verträglich sind.

Gerade bei älteren Menschen kommt es bei vielen Medikamenten zu EKG Veränderungen

Da ich die Aufnahmen in meinen Bereich (auf meiner Station) mache,bin ich selbst immer wieder verwundert das viele Patienten nicht wissen was sie überhaupt einnehmen!!!

am 22.08.19

Ein sehr interessantes Thema ich hab auch schon mal Medikamente verschrieben bekommen und als ich sie dann in der Apotheke abholen wollte hat die Apothekerin mir gesagt das sich das neue Medikament nicht mit den Medikamenten die ich gerade einnehme verträgt , auf sowas sollten die Ärzte aber auch ein bißchen mehr achten , auch wenn es ein neuer Arzt ist man trägt doch auf seinem Anmeldeformular seine Medikamente ein 

am 26.08.19

Das ist ein höchst wichtiges und interessantes Thema! Gerade bei älteren Patienten und chronisch Kranken, die oft viele verschiedene Medikamente verordnet bekommen, wird dem leider oft viel zu wenig Beachtung geschenkt! Gerade auch von verschiedenen Fachärzten werden oft einfach die Medikamente verordnet, die zwar am besten bei der jeweiligen Krankheit helfen sollen - viel zu oft ist hier aber überhaupt nicht bekannt, dass der betreffende Patient noch viele andere Mittel nimmt. Diese hat er dann wiederum von einem anderen Arzt oder auch vom Hausarzt bekommen.

Gerade ältere Patienten vergessen oft, dies beim Arztbesuch zu erwähnen - und die Ärzte fragen leider auch viel zu selten nach. Das müsste aber eigentlich bei jedem Arztbesuch passieren und der Medikamenten-Plan (der mittlerweile den Patienten auch vom Gesetz her sogar zusteht!) immer auf dem neusten Stand gehalten werden. Hier ist noch viel zu tun und auch noch jede Menge Aufklärungsarbeit zu leisten - sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten!

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