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Patientenporträt: Der Arbeitsmarkt schließt chronisch Kranke aus

15.01.2019 • 4 Kommentare

"Seitdem musste ich mich an viele Veränderungen in meinem Leben anpassen und akzeptieren, wie z.B. an ein Studium, das ich nicht abschließen konnte, oder meinen Platz auf dem Arbeitsmarkt den ich nicht finden konnte, wie ich es mir gewünscht hätte."
Patientenporträt: Der Arbeitsmarkt schließt chronisch Kranke aus

 

Alains Geschichte
Der Arbeitsmarkt schließt chronisch Kranke aus

 

Témoignage Alain

Ich bin seit 20 Jahren chronisch krank. Seitdem musste ich mich an viele Veränderungen in meinem Leben anpassen und akzeptieren, wie z.B. an ein Studium, das ich nicht abschließen konnte, oder meinen Platz auf dem Arbeitsmarkt den ich nicht finden konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Schon wenige Jahre nach der Diagnose musste ich die Arbeit aufgeben. Mein Gesundheitszustand erlaubte es mir überhaupt nicht mehr. Chronisch krank? Ja.... aber weder 1 Krankheit, noch 2, sondern 3 Krankheiten, für die die Medizin keine kurative und bewährte Behandlungen anbietet.

Unangenehme körperliche Empfindungen und der Verlust von Wohlbefinden sind Teil meines täglichen Lebens. Es hat Jahre gedauert, bis ich das erkannt und akzeptiert habe; aber ja, chronischer Schmerz ist eine Last, die ich in meinem Leben tragen muss. Leider ist es nicht die einzige.... Körperlich schränken mich Müdigkeit und Erschöpfung sowie Konzentrationsprobleme in meinem Alltag stark ein. Moralisch gesehen stellen auch der Druck der Gesellschaft, die Urteile anderer und die Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik eine Belastung dar, über die ich keine Kontrolle habe. Nein, es reicht nicht aus, positiv zu denken, um die Dinge besser zu machen, und nein, nur weil ich zu einer Tageszeit ein wenig besser aussehe, bedeutet das nicht, dass ich daran denken kann, wieder ruhig zu arbeiten.

In unserer Gesellschaft muss man effizient, aktiv und in einer guten Position sein, um im Leben erfolgreich zu sein. Was tun wir, wenn wir diese Anforderung nicht erfüllen können? So gut ich konnte versuchte ich bei mehreren Gelegenheiten, zu einer an meine Grenzen angepasste Teilberufstätigkeit zurückzukehren. Leider wurde ich schnell mit den Einschränkungen des Systems konfrontiert. Offiziell kann jede Person, die nicht arbeiten kann, eine teilweise und angepasste Tätigkeit wieder aufnehmen; aber in Wirklichkeit sind die Einschränkungen so groß, dass viele chronisch kranke Menschen keinen Zugang dazu haben. Mein Arzt hat mir das vor einigen Monaten während eines Termins bestätigt.

Gleichzeitig reformieren unsere gewählten Vertreter die soziale Sicherheit, indem sie Langzeitpatienten zurück an die Arbeit drängen, ohne die Hindernisse zu berücksichtigen, die den am stärksten Betroffenen im Weg stehen. Ich habe bereits gehört, dass Personen auf völlig ungeeignete Jobs verwiesen werden ("angepasste" Unternehmen, bei denen der Job darin besteht, die gleichen Tätigkeiten immer und immer wieder zu wiederholen, wie der Versand von Post, Paketen....), trotz eines viel höheren Erfahrungs- und Qualifikationsniveaus. Das Problem sollte in Berücksichtigung der Realität des Arbeitsmarktes überdacht werden: Die Arbeitgeber stellen vom ersten Tag an effiziente, dynamische, flexible und operative Arbeitnehmer ein. Nach meiner Erfahrung gilt das NIMBY-Syndrom (Not In My BackYard) auch für den Arbeitsmarkt: Jeder möchte Langzeitpatienten unter dem Vorwand zurück zur Arbeit bringen, dass er die Situation ausnutzt und betrügt.... solange er nicht in mein eigenes Unternehmen kommt und vor allem, wenn er sich nicht wie jeder andere Arbeitnehmer anpassen kann. Es gibt natürlich Ausnahmen, was ich sage ist nicht die alleinige Wahrheit.

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Carenity

avatar Louise Bollecker

Autor: Louise Bollecker, Content Manager & Community Manager Frankreich

Louise ist Community Managerin von Carenity in Frankreich und Chefredakteurin des Gesundheitsmagazins. Sie bietet allen Mitgliedern Artikel, Videos und Erfahrungsberichte. Ihr Ziel ist es, die Stimme der Patienten zu transportieren und ihre Erfahrungen auf der Website zu verbessern.

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Kommentare

am 16.01.19

Guten Abend,

ich kann Alan nur recht geben, in unserer Gesellschaft geht alles nach Leistung, Von wegen tolerant, das wären die meisten gerne, so lange es sie nicht betrifft, Es ist traurig, aber als chronisch Kranker hat man es leider in allen Bereichen schwer  Aber wir dürfen die Hoffung nicht aufgeben.

Schöne Grüße, Lily

am 30.01.19

Das kann ich nur bestätigen! Ich habe 33 Jahre gearbeitet, 26 Jahre davon in einem Lebensmittellager als Staplerfahrerin. Nun ist die Firma umgezogen und ich konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mit. Gut für die Firma, schlecht für mich... Das es nicht leicht wird einen neuen Job zu finden war mir klar aber das es so schwierig ist war mir nicht bewusst! 

Gruß vom Steinhuder Meer

am 05.02.19

Leider denken nur so viele, weil du körperlicheingeschränkt und chronisch Krank bist. Das man in eine Wfbm gehört. 

am 19.02.19

Ich stimme auch zu das als chronisch Kranke ist man in die soziale und beruflichen Abseits verdammt, Akzeptanz einer chronische Erkrankung im beruflichen Umfeld ist rar, irgal wie man im gesunden Zustand geackert hat. Der Kontakt zu den Kollegen lässt nach bis zum erlichen. Für den Arbeitgeber wird man zum unerwünschte Person. Ich habe null Verständnis für die Bekannten die meinen "was dich umbringt macht dich stärker.... " Warum um Gotteswille soll ich erst Jahre lang Schmerzen tagtäglich erfahren um stark zu sein?Das macht keinen Sinn!

Ich treibe viel Gymnastik und treffe mich mit gleichgesinnte zum Austausch ( Chronische Schmerz Gruppe). Es hilft enorm, vor allem zu erfahren das ich nicht allein bin in dieser Situation. Wir tauchen uns auch aus zum Thema Therapie Möglichkeiten usw. Und manchmal lachen wir auch viel!

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