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Die Rolle von BRCA1/BRCA2-Genmutationen und des HER2-Status in der Brustkrebsversorgung.

Veröffentlicht am 04.02.2021 • Von Doriany Samair

Die Rolle der BRCA 1 und 2 Genmutationen sowie des HER2-Status sind weitgehend als genetische Veranlagung für Brustkrebs anerkannt. Was genau bedeutet es, Trägerin dieser Mutationen zu sein? Was ist der HER2-Status, nach dem nach einer Brustkrebsdiagnose systematisch gesucht wird? Wir sagen Ihnen alles in diesem Artikel!


Die Rolle von BRCA1/BRCA2-Genmutationen und des HER2-Status in der Brustkrebsversorgung.

Vorsorgeuntersuchung

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen und kommt bei etwa einer von acht Frauen vor.

Systematische Früherkennungsstrategie für Brustkrebs

Wen betrifft es? 

Frauen im Alter von 50 bis 69 profitieren von dieser Vorsorgeuntersuchung, die normalerweise alle zwei Jahre stattfindet, auch wenn sie keine Symptome oder Risikofaktoren haben. Frauen im Alter von 50 bis 69 (nach der Menopause) gelten als stärker gefährdet, an Brustkrebs zu erkranken.

Frauen mit Risikofaktoren (familiäre Vorgeschichte von Brustkrebs) unterliegen einer personalisierten Überwachung. In der Tat ist es wichtig, die Familienanamnese bei dieser Krebsart zu berücksichtigen. Die Vorsorgeempfehlungen ändern sich je nach Anamnese: Die Überwachung ist ausgeprägter und wird bei Frauen mit Risiken früher durchgeführt.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Alle zwei Jahre besteht die Vorsorge aus einer Mammographie sowie einer klinischen Untersuchung (Abtasten und Befragung der Patientin). Weitere Untersuchungen können dann die Diagnose vervollständigen: Biopsie, MRT oder auch ein Ultraschall.

Ziel dieser Vorsorge ist es, jede nicht tastbare Krebszelle oder jede Form von asymptomatischem Krebs rechtzeitig zu erkennen. Frühzeitig erkannt, gibt es bei Brustkrebs eine 90 % Chance, geheilt zu werden.

Genetische Tests: BRCA1- und BRCA2-Genmutationen

Warum Gentests?

Das Auftreten von Brustkrebs hängt häufig mit der Familiengeschichte der Patientin und dem Vorhandensein bestimmter Mutationen zusammen. Der Nachweis von Mutationen durch Gentests steht im Vordergrund der Diagnosestrategie und spielt eine wichtige präventive Rolle.

Vererbte Mutationen, aber nicht nur das!

Die Entwicklung dieser Krebsart wird durch das zugrundeliegende Vorhandensein von den vererbten Genmutationen BRCA1 und BRCA2 sowie seltener durch eine PALB2-Genmutation begünstigt. Diese 3 Gene sind am häufigsten (2 bis 5%) an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt, in letzter Zeit wurden aber auch andere Prädispositionsgene identifiziert.

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, liegt für die Gesamtbevölkerung bei 12%. Dieses Risiko erhöht sich jedoch stark bei dem Teil der Bevölkerung, der genetische Mutationen aufweist:

  • Mit BRCA1: Das Risiko beträgt bis zu 45 % vor dem 50. Lebensjahr und 70 % vor dem 80. Lebensjahr;
  • Mit BRCA2: Das Risiko beträgt bis zu 35 % vor dem 50. Lebensjahr und 70 % vor dem 80. Lebensjahr.

Die Auffassung des Risikos bezieht sich darauf, dass man Träger einer dieser Mutationen sein kann und die Krankheit ausbricht, aber es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass man die Mutation in sich trägt, die Krankheit aber nie ausbricht.

Bei der Entdeckung einer Veranlagung innerhalb einer Familie wird empfohlen, den Familienmitgliedern einen Gentest vorzuschlagen, um Personen mit einer solchen Veranlagung zu identifizieren und ihnen eine entsprechende Betreuung zu empfehlen, oder um diejenigen zu beruhigen, die die Mutation nicht in sich tragen.

Das Vorhandensein von Genmutationen ist nicht immer mit der familiären Vorgeschichte verbunden. Bei 50% der Frauen gibt es keine Familienanamnese. Deshalb ist es auch wichtig, individuelle Risiken zu untersuchen: Rauchen, Alkohol, Ernährung, Lebensstil. Gesundheitsbehörden erwägen sogar, die Empfehlungen für Gentests zu erweitern.

Nach dem Nachweis von BRCA1- und BRCA2-Genmutationen kann die Betreuung einer Patientin von der akuten Überwachung bis hin zur präventiven Operation (Mastektomie, Brustdrüsenentfernung, alles im Vorfeld) reichen.

Der HER2-Status

Über den wichtigen präventiven Aspekt hinaus, spielt der Gentest auch eine vorausschauende Rolle. Wenn Krebs nachgewiesen wurde, kann die genetische Charakterisierung des Krebses helfen, die Entwicklung der Krankheit, die Prognose (Aggressivität und Metastasen) oder sogar die Wirksamkeit oder Resistenz einer Behandlung vorherzusagen. Zum Beispiel sind einige zielgerichtete Therapien besser geeignet oder effektiver, um Krebsarten zu behandeln, die durch eine bestimmte Art von Mutation verursacht wurden. Die genetische Signatur zu kennen, leitet die Wahl der Therapie an, mit dem Ziel, die Behandlung so weit wie möglich zu personalisieren.

Bei Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde, wird systematisch nach dem HER2-Status gesucht. Nach der Anomalie wird bei einer Analyse der Biopsie gesucht.

Was ist HER2?

HER2, ‚human epidermal growth factor receptor 2‘, ist ein Membranrezeptor, der natürlicherweise in Brustzellen vorhanden und an der Regulierung der Zellproliferation sowie des Wachstums beteiligt ist. HER2 ist ein Rezeptor, dessen übermäßiges Vorhandensein die Bildung von Tumoren begünstigen kann. Tatsächlich stimuliert er, wenn er sich auf der Oberfläche von Brustzellen befindet, deren Wachstum.

Welche Untersuchungen

Heute können zwei Untersuchungen durchgeführt werden: IHC, Immunhistochemie, die darin besteht, das Vorhandensein des HER2-Proteins direkt in den Krebszellen zu quantifizieren, oder FISH, Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, die die HER2-Genamplifikation aufzeigt. Abhängig von der Menge an HER2, wird der Tumor entweder als HER2-positiv oder HER-negativ bezeichnet. 12 bis 20% der Brustkrebserkrankungen sind HER2-positiv. In diesen Fällen kann eine gezielte Anti-HER2-Therapie vorgeschlagen werden.

Anti-HER2 zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien sind mittlerweile die erste Wahl bei der Behandlung von Brustkrebs mit einer HER2-positiven Überexpression. Diese Therapien greifen präzise und spezifisch in den Mechanismus der Entstehung und des Überlebens von Tumorzellen ein. Im Gegensatz zu klassischen Chemotherapien, deren Wirkungsweise auf die Zerstörung von Krebszellen abzielt, geht es hier darum, den Tumor auszuhungern und ihm Wachstumsfaktoren zu entziehen.

Die zielgerichteten Anti-HER2-Therapien werden intravenös oder subkutan verabreicht. Dazu zählen Trastuzumab (Herceptin®), Pertuzumab (Perjeta® und Kadcyla®) oder Lapatinib (Tyverb®).

Diese Art der Behandlung hat die Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs sowie ihrer Prognose wirklich verbessert.

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Autor: Doriany Samair, Assistentin für digitales Marketing

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