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Diabetes und Armut: Warum ist gesundes Essen so teuer?

Veröffentlicht am 30.01.2026 • Von Claudia Lima

Diabetes breitet sich weltweit rasant aus und trifft die schwächsten Bevölkerungsgruppen besonders hart. In Deutschland leben bereits 11 Millionen Menschen mit dieser chronischen Krankheit, davon etwa 90 % mit Typ-2-Diabetes, der stark mit der Ernährung und dem Lebensstil zusammenhängt.

Dabei ist die Ernährung eines der wirksamsten Mittel, um der Krankheit vorzubeugen und ihre Komplikationen zu begrenzen. In einem prekären Umfeld wird eine ausgewogene Ernährung jedoch zu einer echten Herausforderung: Obst, Gemüse und hochwertige Proteine sind viel teurer als stark verarbeitete Produkte. Das Ergebnis: Soziale Ungleichheiten spiegeln sich direkt auf dem Teller wider, mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit.

Dies wirft mehrere Fragen auf: Warum sind Menschen in prekären Lebensverhältnissen häufiger von Diabetes betroffen? Warum ist eine gesunde Ernährung so teuer? Und vor allem: Welche Lösungen gibt es, um sich trotz eines geringen Budgets besser zu ernähren?

Viel Spaß beim Lesen!

Diabetes und Armut: Warum ist gesundes Essen so teuer?

Warum sind Menschen in prekären Lebensverhältnissen häufiger von Diabetes betroffen? 

Diabetes betrifft nicht alle Menschen gleichermaßen: In einkommensschwachen Schichten tritt die Krankheit deutlich häufiger auf. In Deutschland ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, bei den Ärmsten in der Bevölkerung bei Männern doppelt so hoch und bei Frauen fast dreifach so hoch wie bei den Bessergestellten der Bevölkerung. Adipositas, einer der Hauptfaktoren für Diabetes, betrifft Erwachsene in prekären Lebensverhältnissen 2,5 fach häufiger als wohlhabendere Menschen.

Warum gibt es einen solchen Unterschied? Weil mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • Ernährung: Familien mit geringem Einkommen essen weniger Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch und mehr ultraverarbeitete Produkte, die zwar billiger, aber fett- und zuckerhaltiger sind
  • Lebensumfeld: In bestimmten Stadtvierteln mangelt es an hochwertigen Geschäften, während Fastfood-Restaurants stark vertreten sind
  • Lebensbedingungen: Stress, Zeitmangel, Müdigkeit oder auch der eingeschränkte Zugang zu Ärzten erschweren Prävention und Betreuung.

Das Ergebnis: Typ-2-Diabetes, der in der Gesamtbevölkerung bereits stark zunimmt, vertieft die Ungleichheiten im Gesundheitsbereich noch weiter, indem er Menschen in prekären Lebensverhältnissen besonders hart trifft. 

Warum ist gesundes Essen teurer? 

Mit einem geringen Budget wird gesundes Essen zu einer echten Herausforderung. In Haushalten mit geringem Einkommen kann die Ernährung bis zu 50 % der Ausgaben ausmachen, gegenüber nur 15 % bei den wohlhabenderen Haushalten. Aus Geldmangel greifen viele zu billigen, aber oft weniger gesunden Produkten.

Tatsächlich kostet eine ausgewogene Ernährung viel mehr als Junkfood: Bei gleichem Kaloriengehalt sind Obst und Gemüse mehr als doppelt so teuer wie Chips, Limonaden oder Fertiggerichte. Für eine Familie beläuft sich der Unterschied auf Hunderte von Euro pro Jahr, eine Summe, die unmöglich aufzubringen ist, wenn jeder Euro zählt.

Für dieses Dilemma gibt es mehrere Gründe:

  • Die Produktion und der Vertrieb von Obst, Gemüse und magerem Fleisch sind teurer
  • Agrarsubventionen unterstützen vor allem Weizen, Mais oder Soja, die Grundlage vieler hochverarbeiteter Produkte
  • Industrielle Produkte sind rentabler: lange Haltbarkeit, einfacher Transport, geringe Kosten
  • Die Inflation betrifft häufiger frische Produkte als Junkfood


Für viele Familien ist eine ausgewogene Ernährung nach wie vor ein Luxus, obwohl sie eigentlich ein Grundrecht sein sollte.

Welche Hindernisse im Alltag erschweren den Zugang zu gesunden Lebensmitteln? 

Prekäre Lebensverhältnisse beschränken sich nicht nur auf Geldmangel, sondern wirken sich auch auf die Qualität und sogar die Quantität der Mahlzeiten aus. Manche Menschen können sich keine drei Mahlzeiten am Tag leisten, was das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, verdoppelt. Aber abgesehen von den Kosten gibt es noch viele weitere Hindernisse, die eine „gesunde Ernährung” erschweren:

  • Lebensmittelwüsten: In bestimmten Arbeitervierteln oder ländlichen Gebieten beschränkt sich das Angebot auf Discounter oder Fastfood-Restaurants, in denen frisches Obst und Gemüse selten oder teuer ist
  • Zeitmangel: Mehrere Jobs, Schichtarbeit oder die alleinige Kinderbetreuung lassen wenig Zeit zum Kochen
  • Mangelnde Ausstattung: Ohne eine richtige Küche, einen Kühlschrank oder einen Backofen wird die Zubereitung und Aufbewahrung ausgewogener Mahlzeiten kompliziert
  • Mangelnde Informationen: Viele Familien haben keinen Zugang zu einer klaren Ernährungsaufklärung, haben Schwierigkeiten, Etiketten zu lesen, oder glauben fälschlicherweise, dass Tiefkühlprodukte weniger gut sind

Diese Hindernisse machen eine gesunde Ernährung zu einer Herausforderung und führen dazu, dass man zu verzehrfertigen Produkten greift, die fettiger, zuckerhaltiger und weniger gesund sind.

Inwiefern führt Junkfood zu einem Teufelskreis?

Hochverarbeitete Produkte sind überall zu finden: in Supermärkten, Fastfood-Restaurants, in der Werbung. Sie sind günstig und einfach zu konsumieren und daher für viele Familien mit geringem Einkommen attraktiv. Hinter dieser scheinbaren Ersparnis verbergen sich jedoch ernsthafte Gesundheitsrisiken. Sie sind reich an Zucker, Fett und Salz und begünstigen Gewichtszunahme, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes. Diese Lebensmittel sind so konzipiert, dass sie sehr appetitlich und manchmal sogar süchtig machend sind. Limonaden, Snacks und Fertiggerichte verursachen Blutzuckerspitzen, gefolgt von Heißhungerattacken, was dazu führt, dass immer mehr davon gegessen wird. Menschen in prekären Lebensverhältnissen geraten in einen Teufelskreis, der die Krankheit verschlimmert, anstatt sie zu verhindern.

Die Folgen gehen weit über den einzelnen Menschen hinaus: Herz-Kreislauf-Komplikationen, Dialyse, Amputationen... all das bedeutet enorme medizinische Kosten für die Gesellschaft. Und langfristig werden diese schlechten Gewohnheiten an die Kinder weitergegeben, wodurch die Ungleichheiten im Gesundheitswesen fortbestehen. Was kurzfristig wirtschaftlich erscheint, wird somit zu einer schweren Belastung für die Gesundheit und die Gemeinschaft.

Welche Lösungen gibt es für eine ausgewogene Ernährung mit geringem Budget?

Sich mit wenig Budget gut zu ernähren, bleibt schwierig, aber es gibt verschiedene Lösungen.

Lebensmittelhilfen

  • Sozialläden: Vergünstigter Einkauf von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs für Menschen mit geringem Einkommen
  • Lebensmittelbanken und Vereine: Verteilung von Körben mit Obst, Gemüse und hochwertigen Proteinen oder als Laden
  • Kostenlose „Fairteiler“ / Gemeinschaftskühlschränke (Lebensmittelrettung): Es gibt sogenannte „Fairteiler“ (Regale/Kühlschränke), an denen Lebensmittel kostenfrei abgeholt oder abgegeben werden können (nicht einkommensgebunden)
  • Lokale Initiativen: Kochworkshops, Gemeinschaftsgärten, Körbe von Vereinen oder auch „Gemüse auf Rezept“ (Berlin) als reales Pilotprojekt, das den Zugang zu Obst/Gemüse für Menschen mit wenig Einkommen erleichtern will

Maßnahmen der Regierung

  • Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie der Bundesregierung: Ziel ist, Zucker/Fett/Salz in Fertigprodukten zu senken
  • Über das Bildungs- und Teilhabepaket können bei Anspruch (z. B. bestimmte Sozialleistungen) Kosten für gemeinsames Mittagessen in Schule/Kita/Hort bezuschusst werden.
  • EU-Schulprogramm: teilnehmende Kitas/Schulen erhalten regelmäßig kostenlos Obst, Gemüse und/oder Milch(-produkte)


Tipps für den Alltag

  • Wählen Sie saisonale Produkte, Konserven oder Tiefkühlkost, die günstiger, aber dennoch nahrhaft sind
  • Setzen Sie auf pflanzliche Proteine (Linsen, Kichererbsen, Eier), die günstig und gesund sind
  • Kochen Sie selbst, kaufen Sie in großen Mengen ein und planen Sie Ihre Mahlzeiten, um Verschwendung zu vermeiden

Diese Lösungen zeigen, dass es möglich ist, sich auch mit geringen Mitteln besser zu ernähren. Um Ungleichheiten nachhaltig zu verringern, müssen sie jedoch verstärkt und für möglichst viele Menschen zugänglich gemacht werden.

Warum ist Ernährung auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit?

Von Ernährungsunsicherheit sind heute Millionen Menschen in Deutschland betroffen, eine Zahl, die sich in zwanzig Jahren ernorm erhöht hat. Diese Feststellung erinnert daran, dass gutes Essen nicht nur eine individuell ist: Es ist ein Grundrecht und eine kollektive Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Haushalte mit geringem Einkommen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation eher zu ungesunder Ernährung neigen, zahlen einen viel höheren gesundheitlichen Preis. Um diese Ungleichheiten zu beseitigen, müssen wir über punktuelle Hilfen hinausgehen und unser Ernährungssystem überdenken.

Eine der Möglichkeiten ist die in einigen Regionen erprobte Ernährungssicherheit, die darauf abzielt, jedem Menschen ein universelles Recht auf gesunde Ernährung zu garantieren und gleichzeitig die Erzeuger zu unterstützen. Weitere Hebel sind die Verbesserung der Verfügbarkeit von Obst und Gemüse, die Bekämpfung von Lebensmittelwüsten durch die Wiederansiedlung von Nachbarschaftsläden oder die Stärkung der Ernährungserziehung bereits in der Schule.

Der Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung zu gewährleisten bedeutet also nicht nur, Diabetes vorzubeugen, sondern auch soziale Ungleichheiten zu bekämpfen und den Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft zu stärken.

Das sollten Sie sich merken 

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Armut offenbart die Ungerechtigkeit eines Systems, in dem gesundes Essen ein Privileg bleibt. Wenn gesunde Produkte unerschwinglich sind, nehmen chronische Krankheiten zu und Ungleichheiten verschärfen sich.

Dieser Teufelskreis ist kein unabwendbares Schicksal: Der Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung und die Unterstützung lokaler Erzeuger sind wichtige Hebel. Behörden, Verbände und Bürger müssen alle ihren Beitrag leisten, damit eine ausgewogene Ernährung zu einem Recht und nicht zu einem Luxus wird. Der Kampf gegen Diabetes ist auch ein Kampf gegen Armut sowie für eine gerechtere Gesellschaft.

 

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avatar Claudia Lima

Autor: Claudia Lima, Gesundheitsredakteurin

Claudia ist Content Creator bei Carenity und hat sich auf das Schreiben von Gesundheitsartikeln spezialisiert.

Claudia hat einen Master in Entrepreneurship und einen Executive MBA in Business Management und... >> Mehr erfahren

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