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Rauchen bei Diabetes: Welche Risiken bestehen?

Veröffentlicht am 11.09.2023 • Von Somya Pokharna

Rauchen und Diabetes sind eine gefährliche Kombination, wobei sich die Risiken, die mit dem jeweils anderen verbunden sind, verschärfen. Doch trotz der gut dokumentierten Gefahren rauchen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt weiterhin und haben Schwierigkeiten, diese Gewohnheit abzulegen.

Wie kann Rauchen zu Diabetes führen? Und welche Komplikationen kann es bei Menschen, die bereits an Diabetes erkrankt sind, verursachen?

Lassen Sie uns diese Fragen in diesem Artikel behandeln!

Rauchen bei Diabetes: Welche Risiken bestehen?

Rauchen, weithin als eine der gesundheitsschädlichsten Verhaltensweisen anerkannt, ist weltweit die Hauptursache für vermeidbare Erkrankungen, Behinderungen und Todesfälle. Selbst Passivrauchen stellt aufgrund der schädlichen Auswirkungen von Tabak und Nikotin ein großes Risiko dar.

Gleichzeitig muss akzeptiert werden, dass Rauchen für viele Menschen nicht nur eine schlechte Angewohnheit, sondern eine Erkrankung ist - eine echte Sucht. Es wird leicht zu einem Bewältigungsmechanismus, der gefährdete Menschen in seinem Griff gefangen hält. Die Nikotinabhängigkeit verstärkt schnell den Kreislauf des ständigen Konsums.

Im Jahr 2020 gab es in Deutschland etwa 17,5 Millionen Raucher, fast 14 Millionen von ihnen rauchen täglich. Männer rauchen häufiger als Frauen (27 % vs. 20 %).

Wie kann Rauchen zu Diabetes führen?

Das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, ist bei Rauchern um 30-40 % höher als bei Nichtrauchern und steigt mit der Häufigkeit des Rauchens. Dies ist auf folgende Faktoren zurückzuführen:

  • Insulin hilft dem Blutzucker, in die Zellen einzudringen, aber Nikotin verändert die Funktion der Zellen und macht sie unempfindlich für Insulin, was zu hohen Blutzuckerwerten führt.
  • Die Chemikalien im Zigarettenrauch können auch mit Sauerstoff reagieren und die Körperzellen durch einen Prozess schädigen, der als oxidativer Stress bekannt ist. Dies löst eine Entzündung aus, die die Fähigkeit der Zellen, auf Insulin zu reagieren, weiter verringert.
  • Außerdem bauen Raucher eher Fett im Bauchbereich auf, auch wenn sie zunächst nicht übergewichtig sind, was ihr Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, erheblich erhöht.
  • Rauchen erhöht auch den Gehalt an Triglyceriden, einer Art von Fett, das sich im Blut befindet. Gleichzeitig kann das „schlechte“ LDL-Cholesterin steigen und das „gute“ HDL-Cholesterin sinken. Hohe Cholesterin- und Triglyceridwerte werden mit Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

Wie wirkt sich das Rauchen auf Diabetespatienten aus?

Typ-1-Diabetes und Typ 2 gehen mit einer Reihe von langfristigen Komplikationen einher, die sowohl das makrovaskuläre System (an dem die großen Gefäße wie Arterien und Venen beteiligt sind) als auch das mikrovaskuläre System (an dem die kleinen Gefäße wie Kapillaren beteiligt sind) betreffen.

Wenn eine Person mit Diabetes raucht, steigt das Risiko, an diesen Komplikationen zu leiden, erheblich. Sowohl ein erhöhter Blutzuckerspiegel als auch das Rauchen führen dazu, dass sich Fettablagerungen in den Blutgefäßen ansammeln. Diese ziehen sich zusammen, werden schwächer, verstopfen und verhärten sich schließlich, wodurch der Blutfluss behindert wird.

Makrovaskuläre Störungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Das Risiko für Herzerkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt (Herzinfarkt )steigt bei Menschen, die rauchen und an Diabetes leiden, deutlich an.

Periphere Gefäßerkrankungen: Rauchen und Diabetes können dazu führen, dass die Blutgefäße in den Beinen und Füßen verengt und geschädigt werden, wodurch das Risiko einer peripheren Gefäßerkrankung steigt. Diese Erkrankung kann zu schlechter Durchblutung, Schmerzen in den Beinen und in schweren Fällen sogar zur Amputation von Gliedmaßen führen.

Schlaganfall: Die Kombination von Rauchen und Diabetes erhöht das Risiko eines Schlaganfalls, da beide Faktoren dazu beitragen, dass sich die Blutgefäße im Gehirn verengen und gerinnen.

Mikrovaskuläre Probleme

Diabetische Retinopathie: Rauchen und Diabetes erhöhen das Risiko einer diabetischen Retinopathie, einer Erkrankung, die die Blutgefäße in der Netzhaut schädigt und zu Sehstörungen oder Erblindung führen kann.

Diabetische Nephropathie: Diese Kombination kann auch das Risiko einer diabetischen Nephropathie erhöhen, die die kleinen Blutgefäße in den Nieren schädigt und zu Nierenfunktionsstörungen oder Nierenversagen führen kann.

Periphere Neuropathie
: Rauchen und Diabetes können die periphere Neuropathie verschlimmern, was zu Nervenschädigungen in den Extremitäten führt und Schmerzen, Taubheitsgefühle sowie Gefühlsverlust verursacht.

Autonome Neuropathie
: Die Kombination von Rauchen und Diabetes kann zu einer autonomen Neuropathie beitragen, die das autonome Nervensystem beeinträchtigt und zu Problemen wie Gastroparese (verzögerte Magenentleerung) und Störungen der Blasen- und Darmfunktion führt.

Welche Vorteile hat die Raucherentwöhnung für Diabetespatienten?

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist zwar schwierig, aber in jedem Alter durchaus möglich und vorteilhaft, daher ist es nie zu spät, es zu versuchen. Wenn man mit dem Rauchen aufhört, beginnt der Körper einen Heilungsprozess:

  • Innerhalb von 20 Minuten beginnen die Herzfrequenz und der Blutdruck zu sinken, wodurch der Druck auf das Herz-Kreislauf-System abnimmt
  • Innerhalb von 12 Stunden normalisiert sich der Gehalt an Kohlenmonoxid im Blut, einem schädlichen Gas, das im Zigarettenrauch enthalten ist, wieder, wodurch der Sauerstofftransport im Körper verbessert wird
  • Zwischen zwei Wochen und drei Monaten beginnen sich der Kreislauf und die Lungenfunktion zu erholen, was das Atmen erleichtert und den Sauerstoffgehalt im Blut erhöht
  • Innerhalb eines Jahres ist das Risiko einer Herzerkrankung im Vergleich zu einem aktiven Raucher um die Hälfte reduziert, was die kardiovaskuläre Gesundheit erheblich verbessert
  • Langfristig verbessert der Rauchstopp auch die Fähigkeit des Körpers, Insulin effektiv zu nutzen, was die Blutzuckereinstellung erleichtert, was für Menschen mit Diabetes besonders wichtig ist

Viele Menschen mit Diabetes befürchten, dass sie an Gewicht zunehmen, wenn sie versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Gewichtszunahme die unmittelbaren und langfristigen Vorteile des Rauchstopps nicht aufhebt, da dieser das Risiko von Herzproblemen und Todesfällen aus allen Ursachen weiter deutlich senkt.

Die wichtigsten Erkenntnisse zur Raucherentwöhnung bei Diabetikern

Rauchen ist nach wie vor eine der zerstörerischsten Gewohnheiten, die sich ein Mensch aneignen kann, und verursacht weltweit vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle. Der Zusammenhang mit Diabetes ist aufgrund der Auswirkungen von Nikotin auf die Insulinempfindlichkeit, den oxidativen Stress und die Fettansammlung besonders alarmierend. Nikotin erhöht auch die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Problemen.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Raucherentwöhnung einen schnellen Heilungsprozess in Gang setzt und dass die Vorteile des Rauchstopps das Risiko einer Gewichtszunahme bei weitem überwiegen. Die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Gesundheit, insbesondere für Menschen, die mit Diabetes leben, und bietet die Chance auf eine bessere und gesündere Zukunft.

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1 Kommentar


Manuela56 • Botschafter-Mitglied
am 12.09.23

Hallo und guten Tag. Ich habe Diabetes Typ 2 und bin Raucher. Ich habe es geschafft, mal nur 5 Zigaretten am Tag zu rauchen, Aber dann wurden es täglich wieder mehr. Mein Mann raucht auch und da war das Durchhalten sehr schwer. Über 10 kg habe ich zugenommen, was für meinen Diabetes auch nicht gut war. Es gibt einen Arzt in Saarbrücken, der eine Fortbildung macht für die, die mit dem Rauchen aufhören wollen, und dann etwas spritzt. Aber die Leute berichten von Gewichtszunahme von 15 bis über 20 kg. Ich bin noch am überlegen, die Spritze kostet über 300 Euro.

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