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Was ist eine Behinderung? Und sind wir eine inklusive Welt?

Veröffentlicht am 03.12.2020 • Von Gilda Teissier

1992 proklamierten die Vereinten Nationen den 3. Dezember zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen (IDPWD), um das Bewusstsein für die Situation von Menschen mit Behinderungen in allen Aspekten des politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebens zu fördern.

Heute beteiligen wir uns an der Sensibilisierung, indem wir Ihnen mehr über die Herausforderungen berichten, denen sich Menschen mit Behinderungen gegenübersehen sowie über die Wege, wie wir die Barrieren Missverständnis, Gleichgültigkeit und Exklusion abbauen können.

Was ist eine Behinderung? Was ist eine inklusive Gesellschaft? Welche Anstrengungen werden unternommen, um Inklusion zu erreichen?

Wir erzählen Ihnen alles darüber in unserem Artikel!


Was ist eine Behinderung? Und sind wir eine inklusive Welt?

Den Vereinten Nationen zufolge beträgt die Zahl von Menschen mit Behinderungen weltweit eine Milliarde Menschen. In Deutschland leben ungefähr 7,9 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Von dieser Zahl lebt schätzungsweise ein Drittel mit einer psychischen oder neurologischen Erkrankung – und zwei Drittel dieser Menschen werden keine professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, was sich hauptsächlich auf Stigmatisierung, Diskriminierung und Vernachlässigung zurückführen lässt. Aus diesem Grund ist das diesjährige IDPWD-Motto ‚Nicht alle Behinderungen sind sichtbar‘.

Was ist eine Behinderung?

Eine Behinderung ist ein körperlicher oder geistiger Zustand, der es der betroffenen Person erschwert, bestimmte Aktivitäten auszuführen oder mit der Welt um sie herum zu interagieren. Es gibt verschiedene Arten von Behinderungen:

  • Sicht
  • Bewegung
  • Denken
  • Erinnerung
  • Lernen
  • Kommunizieren
  • Hören
  • Mentale Gesundheit
  • Soziale Beziehungen

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von accesible canada

Eine Behinderung wird von der Weltgesundheitsorganisation in drei Dimensionen betrachtet: Beeinträchtigung, Limitierung von Aktivitäten und Teilnahmebeschränkungen. Diese drei Dimensionen bilden zusammen mit allen Arten von Behinderungen ein noch größeres Spektrum.

Behinderungen haben viele Ursachen, sie können bezogen sein auf:

  • Eine Verletzung, wie eine Rückenmarksverletzung
  • Eine langjährige Erkrankung, wie Diabetes
  • Eine fortschreitende Erkrankung wie Muskeldystrophie
  • Ein physischer Zustand wie Amputationen
  • Eine intermittierendere Erkrankung wie Multiple Sklerose
  • Entwicklungsstörungen, die während der Kindheit bemerkt werden, wie Autismus
  • Erkrankungen, die angeboren sind (Störungen einzelner Gene, Chromosomen, usw.) und später im Leben Funktionen wie Kognition, Mobilität, Sicht, Gehör, Verhalten und andere Bereiche beeinträchtigen können.

Eine Behinderung kann sichtbar oder verborgen sein, dauerhaft oder vorübergehend und minimale oder erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeiten einer Person haben.

Was ist eine inklusive Gesellschaft? 

Die Inklusion von Behinderungen bezieht Menschen in alltägliche Aktivitäten ein und ermutigt sie, Rollen zu übernehmen, wie die, die ihre Freunde oder ihr Umfeld haben, die keine Behinderung haben. Der Weltgipfel für soziale Entwicklung (Kopenhagen 1995) sagt dazu, eine inklusive Gesellschaft ist eine „ „Gesellschaft für alle" […], in der jeder einzelne mit seinen Rechten und Pflichten eine aktive Rolle zu spielen hat“.

Heutzutage gibt es überall viele Barrieren, die den Zugang zu einer komplett inklusiven Gesellschaft einschränken. Laut der WHO gibt es Faktoren im Umfeld einer Person, die durch ihre Abwesenheit oder Präsenz das Funktionieren einschränken und Beeinträchtigungen verursachen. Dazu gehören Aspekte wie:

  • Eine physische Umgebung, die nicht zugänglich ist, wie Transportmittel oder physische Barrieren
  • Mangel an relevanter unterstützender Technologie (unterstützende, adaptive und rehabilitative Geräte)
  • Negative Einstellungen von Menschen gegenüber Behinderungen, wie Stereotypisierung oder Stigmatisierung, die Kontakte knüpfen oder sogar die Jobsuche beeinflussen können
  • Dienste, Systeme und Richtlinien, die alle entweder nicht vorhanden sind oder die Beteiligung von allen Menschen mit einem Gesundheitszustand in allen Lebensbereichen behindern
  • Kommunikationsbarrieren, die Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben und/oder Verstehen beinhalten


Welche Anstrengungen werden unternommen, um Inklusion zu erreichen

In Deutschland ist es ein Recht, vor Diskriminierung geschützt zu werden. Dies umfasst die Bereiche Beschäftigung, Bildung und den Umgang mit der Polizei. Diese Rechte werden durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und die Übereinkommen der Vereinten Nationen zu Behindertenrechten durchgesetzt.

Im Großen und Ganzen gibt es jede Menge Dinge, die auf dem Vormarsch sind und dabei sind, bahnbrechend für Inklusion zu werden. Einige Beispiele sind:

  • Universelles Design: Sein Ziel ist es, das Leben für alle zu vereinfachen, indem Produkte, Kommunikation und die physische Umgebung für möglichst viele Menschen mit wenig oder keinen Zusatzkosten nutzbarer gemacht werden. Beispiele hierfür sind einfache Dinge wie das Einfügen von Bedienungsanleitungen mit klaren Zeichnungen und ohne Text oder Servicefenster, die so niedrig sind, dass jeder sie erreichen kann; bis hin zu komplexeren wie elektrische Türen mit Sensoren an den Eingängen, die für alle Benutzer geeignet sind.
  • Zugänglichkeit: Dies ist der Fall, wenn die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen beim Entwurf, Bau oder bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Beispiele hierfür sind Parkplätze nah am Eingang, medizinisches Personal, das Gebärdensprache kennt oder Zugang zu einem Übersetzer haben, usw.
  • Angemessene Vorkehrungen: Dies sind Änderungen, die an Dingen, Verfahren oder Systemen vorgenommen wurden, um es einer Person mit Behinderung zu ermöglichen, diese so weit wie möglich zu verwenden. Ein Beispiel ist die Blindenschrift, oder auch Großschrift oder Hörbücher für Blinde oder für Menschen mit anderen visuellen Einschränkungen.
  • Assistive Technologie: Dies sind Geräte oder Equipment, die verwendet werden können, um einer Person mit Behinderungen dabei zu helfen, in vollem Umfang an Aktivitäten teilzunehmen. Beispiele dafür können alles Mögliche sein – von einem Rollstuhl über eine Lupe bis hin zu einem Computer, der spricht und jemandem bei der Kommunikation helfen kann.
  • Unabhängiges und/oder betreutes Wohnen: Es geht darum, dass Menschen mit Behinderungen eine Stimme, eine Wahl und die Kontrolle über ihren Alltag haben. Genauso wie eine Person oder einen Ort für Erwachsene zu haben, die bei den alltäglichen Aufgaben Hilfe benötigen.

Ein weiteres wichtiges Instrument für Inklusion ist Bildung und eine Veränderung der Mentalität. Heutzutage versuchen viele Organisationen und NGOs dies auf der ganzen Welt. Ein konkretes Beispiel ist die International Inspiration and Cheshire Foundation - Action for Inclusion die in Äthiopien an einem Projekt zusammengearbeitet haben, das Sport benutzt, um Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu ermöglichen uneingeschränkt am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen. Das Projekt „Sport for Inclusive Development Project“ hat eng mit lokalen Gemeinschaften, Sportvereinen, regionalen und lokalen Verwaltungen sowie mit Tausenden von Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet, um Menschen mit und ohne Behinderung regelmäßig einen Raum zu bieten, in dem sie sich durch Sport zusammenfinden können. Und bei diesem Zusammenfinden durch Sport bringt das Programm unglaubliche Ergebnisse in Bezug auf Inklusion hervor, sei es auf oder neben dem Sportplatz – mit einer stärkeren Vertretung von Menschen mit Behinderungen in lokalen Entscheidungsprozessen, einer spürbaren Veränderung der Einstellung zu Behinderungen und eine zunehmende Anzahl lokaler Vorbilder für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.

Fazit

Behinderungen gibt es in allen Formen und Größen, von wirklich offensichtlich oder gar nicht sichtbar. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle eine inklusive Haltung gegenüber allen haben, gefolgt von der Forderung nach gleichem Zugang und Chancengleichheit für alle.

Lassen Sie und aber nicht vergessen, dass soziale Inklusion keine Einheitlichkeit der Menschen bedeutet, sondern eine Gesellschaft, die Raum für Vielfalt bietet und gleichzeitig Engagement fördert.

Finden Sie, dass unsere Gesellschaft inklusiv genug ist? 

Gerne können Sie Ihre Gedanken und Fragen in den untenstehenden Kommentaren mitteilen!

Alles Gute!


avatar Gilda Teissier

Autor: Gilda Teissier, Gesundheitsredakteurin

Gilda arbeitet seit 6 Jahren in der Gesundheitsbranche und verfasst seit über 10 Jahren Artikel für die Bereiche Gesundheit, humanitäre Arbeit und Nachrichten. Ihr besonderes Interesse gilt den Bereichen... >> Mehr erfahren

2 Kommentare


biggi1964
am 03.12.20

Vielen herzlichen Dank für den interessanten Bericht.

Ich kann nur sagen das man bzw ich für meine Inklusion im Berufsleben sehr kämpfen musste und es nicht so einfach ist wie es auf dem Papier steht


Kerli544
am 09.12.20

Ich bin Schwerstbehindert .mit 100% aG H-B und war bis am Hals fast ganz Gelähmt habe nur Ärger von Ämter bis zu Behörden...das ist dann Inklusion und die versprochene Hilfe für Behinderte der Regierung

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