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Chemotherapie: Alles, was Sie wissen müssen!

Veröffentlicht am 23.08.2021 • Von Aurélien De Biagi

In Deutschland ist Krebs, Statista zufolge, die zweithäufigste Todesursache. 2018 wurde weltweit bei fast 18,1 Millionen Menschen Krebs diagnostiziert und 9,8 Millionen verstarben.

Es existieren verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs. In diesem Artikel werden wir uns auf die Chemotherapie konzentrieren.

Aber was genau ist eine Chemotherapie? Was sind die Nebenwirkungen?

Wir sagen Ihnen alles in unserem Artikel!

Chemotherapie: Alles, was Sie wissen müssen!

Worum handelt es sich bei Krebs?

Krebs wird als unkontrollierte Vermehrung bestimmter Zellen im Körper definiert. Die primäre Krebszelle verliert ihre Empfindlichkeit für Apoptose (programmierter Zelltod), repariert ihre DNA weniger gut und kann ihren Replikationsmechanismus nicht mehr kontrollieren. Da sie nicht mehr absterben und sich unaufhörlich vermehren, bildet die Ansammlung von Krebszellen einen Tumor, der immer weiter wächst.

Diese abnorme Zellproliferation beginnt lokal und breitet sich dann auch benachbarte Gewebe und andere Organe aus (Entwicklung von Metastasen). Metastasen sind Krebszellen, die in ein anderes Organ vorgedrungen sind. So bedeutet Prostatakrebs mit Metastasen in der Lunge, dass Prostatakrebszellen in die Lunge vorgedrungen sind.

Darüber hinaus wird der Begriff „Krebs“ für eine Vielzahl heterogener Erkrankungen verwendet. So wird zum Beispiel von einem Sarkom bei Krebsarten gesprochen, die sich aus Stützzellen im Körper entwickeln, Lymphom bei Krebsarten, die von Lymphzellen ausgehen, etc.

Derzeit gibt es drei mögliche Therapien zur Krebsbehandlung: Strahlentherapie, Chemotherapie und ein operativer Eingriff. Letzterer bleibt die erfolgversprechendste Möglichkeit. Alle drei Formen können auch zusammen eingesetzt werden.

Worum handelt es sich bei einer Chemotherapie?

Eine Chemotherapie oder „Chemo“ entspricht dem Einsatz chemischer Moleküle (Medikamente) zur Behandlung von Krebs. Es gibt viele verschiedene Medikamente, die für jede Krebsart spezifisch sind. Diese Medikamente zielen darauf ab, alle Krebszellen zu zerstören, egal, wo sie sich befinden. Dies wird als systemische Behandlung bezeichnet.

Je nach Medikamentenklasse zielt die Chemotherapie entweder darauf ab, die Krebszellen zu zerstören oder ihre Vermehrung zu hemmen. Häufig handelt es sich bei Chemotherapien um sogenannte Multitherapien, d.h. sie setzen sich aus mehreren verschiedenen Molekülen zusammen. Die Wahl der Moleküle wird für jeden Patienten individuell getroffen, je nach Art und Stadium der Krebserkrankung, der Lage des Tumors, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, etc.

Es existieren mehrere Arten von Chemotherapien. Man spricht von:

  • Neoadjuvante Chemotherapie, die unmittelbar nach der Krebsdiagnose und vor einem chirurgischen Angriff durchgeführt wird. Ihr Hauptziel ist die Verkleinerung des Tumors, aber sie ermöglicht auch, die Wirksamkeit der Behandlung des Tumors zu beurteilen und verringert das Risiko eines Rückfalls
  • Adjuvante Chemotherapie, die nach der Operation stattfindet, um alle verbleibenden Krebszellen zu beseitigen, nachdem durch die Operation alle sichtbaren Zellen entfernt wurden. Dies verringert das Risiko eines Rückfalls sowie der Bildung von Metastasen. Sie wird ergänzend zur Operation durchgeführt
  • Metastatische Chemotherapie, die auf die Beseitigung der Metastasen abzielt

Die Chemotherapie kann auch mit einer Strahlentherapie kombiniert werden, man spricht dann von einer Radiochemotherapie (RCT), oder sie kann alleine durchgeführt werden, dann wird von einer exklusiven Chemotherapie gesprochen.

Was sind die Nebenwirkungen einer Chemotherapie?

Die in einer Chemotherapie verwendeten Moleküle sind sehr aggressiv und nicht spezifisch für Krebszellen. Da sich Krebszellen durch eine schnelle Vermehrung auszeichnen, zielt die Chemotherapie auf sich schnell vermehrende Zellen ab, einschließlich gesunder Zellen (Haare, Verdauungstrakt, Fortpflanzungs- und Knochenmarkzellen). Diese Moleküle können daher zu Nebenwirkungen führen, die unabhängig von der Art der Verabreichung sind: orale Einnahme (Kapseln, Tabletten, …), intravenös, etc.

Auch wenn einige Nebenwirkungen häufiger sind als andere, bedeutet dies nicht, dass sie systematisch auftreten. Außerdem hängt die Wirksamkeit der Behandlung nicht von den Nebenwirkungen ab. Eine Chemotherapie kann wirken und gleichzeitig keine Nebenwirkungen hervorrufen. Umgekehrt ist es auch möglich, dass die Therapie nicht funktioniert und zu Nebenwirkungen führt. Letztere hängen von den verwendeten Molekülen, der Dosis, dem Allgemeinzustand des Patienten sowie der Reaktion des Einzelnen auf die Behandlung ab.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind die folgenden:

  • Haarausfall
  • Übelkeit und Erbrechen 
  • Durchfall
  • Wunden im Mund (Mukositis oder Mundgeschwüre)
  • Kribbeln in den Extremitäten (Hände und Füße)
  • Muskelschmerzen
  • Brüchige und verfärbte Nägel
  • Müdigkeit

Diese Nebenwirkungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich von einer Behandlung zur anderen unterscheiden.

Wie können Nebenwirkungen begrenzt werden?  

Ihr Arzt kann Ihnen zu einer Pflege oder zu Hygiene- und Ernährungsregeln raten, um diese Nebenwirkungen zu begrenzen oder zu vermeiden.

Darüber hinaus können Medikamente verschrieben werden, um diese zu vermindern. So ermöglichen z.B. Medikamente wie Primperan gelegentliche Übelkeit und Erbrechen zu behandeln.


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avatar Aurélien De Biagi

Autor: Aurélien De Biagi, Gesundheitsredakteur, Pharmaziestudent

Aurélien studiert im 5. Jahr Pharmazie an der Universität von Lothringen. Er schreibt Gesundheitsartikel für Carenity. Sein besonderes Interesse gilt den Bereichen Neuropsychiatrie und Herz-Kreislauf.

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