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Die Krebsbehandlung: Biotherapie und Immuntherapie

17.12.2019

Was ist eine Biotherapie? Wie funktioniert diese Therapie bei der Krebsbehandlung? Warum wird sie spezifischer als Immuntherapie bezeichnet? An welchem Zeitpunkt der Therapie und unter welchen Bedingungen können diese Behandlungen in Anspruch genommen werden? Hier sind die Erklärungen!

Die Krebsbehandlung: Biotherapie und Immuntherapie

Das Management von Krebspatienten wendet sich zunehmend der personalisierten Medizin zu. In den letzten fünfzehn Jahren haben Biotherapien (einschließlich Immuntherapie) im Bereich der Onkologie einen Boom erlebt und das Management dieser Patienten stark verändert, insbesondere durch die Integration von monoklonalen Antikörpern in therapeutische Strategien. Dies sind vielversprechende Moleküle, die für den Forschungsbereich von großem Interesse sind, und viele Projekte werden derzeit evaluiert. 

Biotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Therapie: Wovon sprechen wir dabei?

Was ist eine Biotherapie?

Biotherapien zielen darauf ab, Medikamente und therapeutische Strategien auf der Grundlage lebender Organismen auf der Grundlage der Biologie herzustellen. Sie basieren auf der Verwendung von Molekülen, die aus lebenden Organismen (Hefen, Fermente, Mikroben, Gene, Zellen, Gewebe usw.) oder aus lebenden Organismen gewonnenen Substanzen (Hormone, Antikörper, Interleukine usw.) bestehen. Biotherapien können zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden, betreffen aber auch viele andere Krankheiten wie z.B. Entzündungskrankheiten.

In der Onkologie können Biotherapien auf verschiedenen Ebenen wirken, um die Tumorausbreitung zu reduzieren:

  • - Durch Stoppen, Steuern oder Unterdrücken von Tumorwachstumsprozessen
  • - Durch die "Markierung" von Krebszellen, um deren Zerstörung durch das Immunsystem zu erleichtern
  • - Durch die Erhöhung der Zerstörungskraft von Tumorzellen durch Immunsystemzellen (so genannte Immuntherapie)
  • - Durch die Verhinderung der Ausbreitung von Krebszellen (Metastasen)

Zielgerichtete Therapien

Eine Form der Biotherapie zur Behandlung von Krebs ist die zielgerichtete Therapie, d.h. jedes Molekül wird auf eine bestimmte Eigenschaft des Tumors ausgerichtet. Die Idee ist, nur Krebszellen zu zerstören und gesunde Zellen - im Gegensatz zur Chemotherapie - weitestgehend zu schonen. Dies hat zur Folge, dass die Beeinträchtigung der Lebensqualität des Patienten begrenzt wird.

Um Krebszellen ins Visier zu nehmen, ist es unbedingt notwendig, den Tumor zu "screenen", d.h. die patienteneigene und individuelle Tumorheterogenität zu analysieren, um festzustellen, welche Targets und damit welche Behandlungen eingesetzt werden können.

Die Immuntherapie

Der Begriff "Biotherapien" ist weit gefasst und beinhaltet auch immuntherapeutische Behandlungen. Die Immuntherapie ist daher eine Biotherapie, aber nicht alle Biotherapien sind Immuntherapie. Ihr Zweck ist es, das Immunsystem zu stimulieren, um Krebszellen selbstständig zu bekämpfen.

In der Immuntherapie sind es die Zellen des Immunsystems, die gezielt stimuliert werden. Dadurch können sie Krebszellen zerstören. Auf der anderen Seite kann es die Nebenwirkung haben, dass gesunde, nicht-krebsartige Zellen zerstört werden. 

Dazu gehören OPDIVO- oder KEYTRUDA-Behandlungen zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms.

Biotherapeutische Moleküle zur Behandlung von Krebserkrankungen

Biotherapien, ob zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien, lassen sich nach ihrer Wirkungsweise oder den Eigenschaften, die sie in den Zellen anstreben, klassifizieren. Abhängig von der Art des Krebses, seinem Stadium, dem Profil des Patienten etc. wird der Onkologe eines dieser Moleküle auswählen oder in Kombination verschreiben.

Monoklonale Antikörper

Sie können ein Ziel außerhalb oder auf der Oberfläche von Krebszellen angreifen und so ähnlich wie die von unserem Immunsystem produzierten Antikörper wirken. Diese monoklonalen Antikörper stoppen das Tumorwachstum. Sie können auch mit einem Chemotherapiemolekül, Toxin oder einer radioaktiven Substanz kombiniert werden, um sie spezifisch an Krebszellen zu liefern und gesunde Zellen zu schonen. Sie werden immer intravenös verabreicht. So wird ERBITUX beispielsweise bei metastasierendem Darmkrebs oder HERCEPTIN bei HER2-positivem Brustkrebs eingesetzt.

Eine weitere Art von monoklonalen Antikörpern ermöglicht es, intrazelluläre Ziele durch Eindringen in Krebszellen zu erreichen. Sie hemmen Signalkaskaden und damit das Tumorwachstum. Sie sind oral aktiv. Dazu gehören IRESSA oder ERLOTINIB für nicht-kleinzelligen metastasierenden Bronchialkrebs mit EGFR-Mutation / metastasiertem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (englisch non small cell lung cancer, NSCLC) mit aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (englisch Epidermal Growth Factor Receptor, EGFR).

Die Enzym-Hemmer

Diese Klasse von Molekülen wird hauptsächlich durch Inhibitoren von Tyrosinkinasen repräsentiert, die Schlüsselenzyme für das Wachstum und die Teilung von Tumorzellen sind. Beispiele sind LYNPARZA zur Behandlung von BRCA-mutiertem Ovarialkarzinom und ZELBORAF, das gezielt mutierte Formen des BRAF-Proteins (BRAF-Melanom) hemmt.

Andere Molekülarten

Einige Biotherapien wirken auf der Ebene eines Membranrezeptors, andere blockieren das Wachstum des Gefäßnetzes (Angiogenese) das es dem Tumor ermöglicht zu überleben, hemmen die Mechanismen der Zellreplikation oder stimulieren den Zelltod und/oder den Proteinabbau. Die Entscheidung liegt beim Arzt, der eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen wird. Es ist auch der Arzt, der in der Lage sein wird, die Wirksamkeit der Behandlung zu überprüfen.

Wann sollte mit einer zielgerichteten Therapie oder Immuntherapie begonnen werden?

Eine eigenständige Behandlung?

Es ist wichtig zu beachten, dass die Biotherapien die konventionellen Behandlungen wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie nicht ersetzen. Sie ergänzen dieses therapeutische Arsenal und werden meist in Kombination mit konventionellen Behandlungen verschrieben.

Für welche Patienten?

Die Einleitung dieser Behandlungen ist nicht für alle Krebspatienten gedacht, sondern für diejenigen mit fortgeschrittenen Formen von Krebs oder für diejenigen, die nach vorheriger Behandlung einen Rückfall erlitten haben.

Es gibt jedoch einige Behandlungen für Krebserkrankungen im Frühstadium, wie z.B. TRASTUZUMAB für HER2-positiven Brustkrebs in Kombination mit einer Chemotherapie und nach einer Operation und IMATINIB für gastrointestinale Stromatumore (GIST) nach einer Operation.

Wie wirksam sind diese Behandlungen?

Aufgrund ihres gezielten und spezifischen Wirkmechanismus haben Biotherapien eine sehr gute Wirksamkeit bei der Behandlung von Krebserkrankungen gezeigt. In den meisten Fällen ermöglichen sie sowohl biologische als auch klinische Verbesserungen. Zudem gibt es eine deutliche Reduktion der Schädigung gesunder Zellen des Patienten im Vergleich zu Strahlen- und Chemotherapie, was die Lebensqualität der Patienten verbessert und das Risiko von Langzeitfolgen deutlich verringert.

EIN WICHTIGER HINWEIS: Wir möchten nochmals darauf aufmerksam machen, dass diese Biotherapien keinen Ersatz für konventionelle Behandlungen sind und nicht bei allen Patienten angezeigt sind. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat!

Was sind die wichtigsten Nebenwirkungen?

Biotherapeutische Behandlungen werden gelegentlich von Nebenwirkungen begleitet, die normalerweise reversibel sind, wenn die Behandlung abgebrochen wird, d.h. wenn die Behandlung abgebrochen wird, verschwinden die Nebenwirkungen. Diese lassen sich oft reduzieren oder sogar vermeiden, wenn man aufmerksam ist und Hygienemaßnahmen, empfohlene Impfungen etc. beachtet. Da diese Therapien jedoch relativ neu sind, sind einige Nebenwirkungen in der Ärzteschaft noch wenig bekannt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alle Symptome, die er Ihnen nicht mitgeteilt hat!

Unmittelbare Risiken

  • - Anaphylaxie: heftige und oft schwere allergische Reaktion
  • - Mäßige Reaktionen während der Injektion (der Körper des Patienten kann Antikörper gegen das Molekül entwickeln)
  • - Schmerzen an der Injektionsstelle

Infektiöse Risiken

  • - Immunsuppression: Da die Biotherapie das Immunsystem verlangsamt, kann sich der Körper nicht mehr richtig gegen Bakterien und Viren schützen, was zu opportunistischen Infektionen unterschiedlichen Schweregrades führen kann.
  • - Entzündung: In der Immuntherapie kann die Stimulation des Immunsystems Entzündungen in verschiedenen Organen des Körpers hervorrufen, aber auch zu Autoimmunreaktionen führen.
  • - Es gibt Risikofaktoren wie eine Anamnese progressiver Infektionen, Alter > oder gleich 65 Jahre, chronische Erkrankungen, assoziierte Atemwegserkrankungen, begleitende Kortikosteroidtherapie.

Mechanismen der Resistenz gegen Biotherapien

Ein Tumor besteht in der Regel aus mehreren Zelltypen, die sich ständig verändern, und nicht aus einem einheitlichen Zellhaufen. Deshalb können die Zellen innerhalb desselben Tumors unterschiedliche molekulare Anomalien aufweisen: Das nennt man Tumorheterogenität.

Diese Tumorheterogenität kann in einigen Fällen für die Entwicklung von Resistenzen gegen Biotherapien verantwortlich sein. Da sich das Ziel geändert hat, ist die Behandlung nicht mehr wirksam. Diese Resistenz kann "primär" sein, d.h. die Therapie wird von Anfang an unwirksam sein, oder "sekundär", wo sie nach einigen Wochen, Monaten oder sogar Jahren der Behandlung auftritt.

Um das Risiko einer Resistenz so weit wie möglich zu reduzieren und den Tumor an allen Fronten anzugreifen, werden viele Behandlungen in Kombination verordnet.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel allgemein gehalten ist und keine ärztliche Verschreibung ersetzt. Auf eventuell vorhandene Sonderfälle wird nicht eingegangen. Jeder Patient ist anders, also sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

 

Artikel von Louise-B und Camille Dauvergne, die im 4. Jahr Pharmazie studiert

avatar Camille Dauvergne

Autor: Camille Dauvergne, Junior Community Manager Frankreich

Camille Dauvergne ist derzeit Junior Community Manager bei Carenity. Sie unterstützt den Community Manager Frankreich bei der Animation der Plattform, indem sie die Navigation der Mitglieder erleichtert und ihre Interaktionen fördert. Camille beteiligt sich auch an der Redaktion von wissenschaftlichen Artikeln, die im Gesundheitsmagazin verfügbar sind, sowie an der Aktualisierung der Gesundheits- und Medikamenteninformationsblätter.

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